Elektromobilität

Autonome Elektrofähren: Norwegen tauscht Tunnel gegen Schiffe

von
Paul Bandelin

Norwegen macht mobil: Autonome Elektrofähren ersetzen Tunnel und Brücken. Das ist schneller, günstiger und besser für die Umwelt.

Ein Fjord in Norwegen, fotografiert vom Felsen am Ufer aus.
Malerisch: Die Fjord-Landschaft macht Norwegen so attraktiv – und gleichzeitig die Infrastruktur dort so kompliziert. Foto: Unsplash / Alexey Topolyanskiy

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum in Norwegen selbstfahrende Elektrofähren das Transportmittel der Zukunft werden sollen
  • Wie die Forschungsorganisation SINTEF das Transportsystem der Zukunft plant
  • Wie lange die „Future of the Fjords“ an der Ladestation hängen muss, bevor sie wieder in See stechen kann

Die norwegische Regierung plant in den nächsten Jahrzehnten umfassende Investitionen in die Optimierung der Verkehrsinfrastruktur. Dazu zählen der Ausbau von Brücken und Tunneln, um die in die Jahre gekommenen Fähren zu ersetzen, die derzeit Passagiere und Autos von Fjord zu Fjord transportieren. Es gibt aber eine Alternative, die ohne neue Brücken und teure Tunnel auskommt: Der Einsatz elektrischer und autonomer Fähren.

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Wer schon einmal in Norwegen Urlaub gemacht hat, ist mit der Schönheit des Landes hinlänglich vertraut. Der aufregende Wechsel zwischen tiefem Meer und hohen Bergen ist einzigartig. Enge Straßen schlängeln sich an der Küste die Höhen hinunter – doch da wird es schwierig.

Die Achillesferse des Landes ist zweifellos die Infrastruktur. Zerklüftete Fjorde und schier endlose Distanzen sind ebenso anstrengend wie die Fahrt durch einen der unzähligen Tunnel. So kann die Fahrt von einem Fjord zum anderen auch schon mal ein paar Stunden in Anspruch nehmen.

SINTEF plant klimafreundliche Elektrofähren

Um die horrenden Kosten für neue Verbindungen einzudämmen, arbeiten norwegische Ingenieure derzeit an einem alternativen Verkehrskonzept. Statt durchgehender Straßenverbindungen sollen autonome Elektrofähren als Transportmittel der Zukunft fungieren.

Hintergrund: Diese Fähren sollen in ihrer technischen Ausstattung ans 21. Jahrhundert angepasst sein und auf Antriebsstoffe verzichten, die aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden – also beispielsweise auf Diesel oder Erdgas.

Ein Team der norwegischen Forschungsorganisation SINTEF (Stiftelsen for industriell og teknisk forskning) plant die Einführung der vollkommen autonom agierenden Elektrofähren, um die Fjorde klimafreundlich zu überbrücken.

Auch in größeren Städten, die über einen Wasserlauf verfügen, sollen die Fähren eingesetzt werden. Gelingt das Projekt, könnten sie in naher Zukunft auf geeigneten Strecken Autos oder Busse ersetzen.

Ladestation direkt am Heimathafen

Den Anfang macht ein ähnliches Projekt – die Elektrofähre „Future of the Fjords“. Im Mai 2018 ging sie in Betrieb und verbindet seitdem die beiden Orte Guldvangen und Flåm im Süden des Landes, in der Nähe von Bergen.

Technische Daten der Future of the Fjords

  • Länge
  • Breite
  • Material
  • Kapazität
  • Motorleistung
  • Akku
  • 42 Meter
  • 15 Meter
  • Kohlefaser
  • 400 Passagiere
  • 2 x 450 kW
  • 1800 kWh

Die zu 100 Prozent elektrisch betriebene Fähre ist 40 Meter lang und 15 Meter breit, sie fährt aber nicht autonom. Die zwei Antriebsmotoren können mit ihren je 450 Kilowatt Leistung eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde erzeugen. Bei einer Batteriekapazität von 1800 Kilowattstunden beträgt die Maximaldistanz bei voller Beladung mit rund 400 Passagieren 56 Kilometer.

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Täglich legt die „Future of the Fjords“ die Strecke in beide Richtungen je einmal zurück, was im Jahr etwas über 700 Fahrten entspricht. Die Reedereien Brødrene Aa und The Fjords haben zudem vor, im Hafen von Guldvangen eine entsprechende Ladestation zu bauen – 20 Minuten soll es dauern, bis die Fähre vollständig geladen ist.

Nach dem Stapellauf kündigte das norwegische Parlament an, „so schnell wie möglich und spätestens bis 2026“ in ausgewählten Zonen nur noch Elektroschiffe einzusetzen. Die Wirtschaft reagierte darauf entsprechend und nimmt seitdem Kurs Richtung Elektromobilität.

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