Elektromobilität

Autonome Autos: Das Lenkrad verschwindet nicht so schnell

von
Carsten Fischer

Autonomes Fahren macht das gute alte Lenkrad eigentlich schon bald überflüssig. Wird es in Zukunft dennoch einen Platz im Auto haben?

Ein Mann sitzt im Stadtverkehr am Lenkrad seines Autos
Eine runde Sache: Das Lenkrad wird uns trotz des Trends zu autonomen Autos noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Foto: CC0: Unsplash/Dan Gold

Das erfahren Sie gleich:

  • Das Lenkrad ist derzeit noch zentraler Bestandteil eines jeden Autos mit Straßenzulassung
  • Fahrspaß bedeutet, dass auch bei selbstfahrenden Autos noch die Möglichkeit zum manuellen Lenken besteht
  • Wird autonomes Fahren dem Lenkrad in den nächsten Jahren gefährlich?

Das Lenkrad: Ein Auslaufmodell?

Selbstfahrende Autos kommen – geht also das Lenkrad? Wenn es nach den Konzepten autonomer Autos geht, die auf den aktuellen Automessen gezeigt werden, dann schon: Die meisten davon haben gar kein Lenkrad mehr.

Vollelektrischer Fahrspaß

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Mit der Realität auf unseren Straßen ist das aber noch lange nicht vereinbar. Zum einen müssen in den meisten Ländern der Erde per Gesetz Menschen Hände am Lenkrad haben, zum anderen ist die Technik zur Steuerung selbstfahrender Autos auch noch nicht so weit, dass auf ein Lenkrad komplett verzichtet werden könnte.

Selbstfahrende Autos können nicht alles

Mobilität im realen Straßenverkehr ist eine komplexe Angelegenheit: Wenn Unternehmen wie Waymo oder Uber mit ihren autonomen Autos unter streng kontrollierten Bedingungen den Stadtverkehr in Arizona meistern, dann übt der Algorithmus dahinter noch lange nicht den Umgang mit Regen, Schnee, Eis, oder mit Radfahrern und weiteren Verkehrsteilnehmern.

Entsprechend ist von denfünf Stufen des autonomen Fahrens die Autonomiestufe vier noch nicht ganz erreicht: Oftmals muss noch ein Mensch eingreifen, was Autonomiestufe drei entspricht. Bedeutet im Klartext: Das Auto fährt autonom, kann den Insassen aber auffordern, das Steuer zu übernehmen.

Menschen sind nicht sehr gut darin, aus dem mentalen Zustand des Passagiers schnell in den des Fahrers zu wechseln.

Diese Stufe drei sollte eigentlich übersprungen werden: Die Forschung zeigt, dass Menschen nicht sehr gut darin sind, aus dem mentalen Zustand des Passagiers schnell in den des Fahrers zu wechseln. Tritt also eine Situation ein, die ein selbstfahrendes Auto ohne Hilfe nicht meistern kann, wird es schnell gefährlich.

Doch Stufe drei könnte trotzdem noch eine ganze Weile der Stand der Technik bei autonomen Autos bleiben, vor allem in Gegenden mit wechselhaftem Wetter oder starkem Verkehr jenseits von Autos. Entsprechend haben Forscher der Universität Stanford untersucht, wie sich die Reaktionszeit von Menschen steigern lässt, wenn sie von ihrem selbstfahrendem Auto zum Eingreifen aufgefordert werden. Fünf bis zehn Sekunden braucht man dafür nämlich im Schnitt – im Notfall eine viel zu lange Zeit.

Das transformierende Lenkrad

Die überraschende Lösung: Ein transformierendes Lenkrad, das sich verformt und Griffe bildet, wenn es benötigt wird, diese aber einklappt, wenn das Fahrzeug autonom fährt. Obwohl die Transformation im Falle eines Hindernisses Zeit kostet, reagierten Probanden damit deutlich schneller als bei blinkenden LEDs, Warntönen oder Vibrationsalarm.

Eine weitere Verwendungsmöglichkeit für das transformierende Lenkrad sehen die Forscher darin, den Fahrer bei der Stange zu halten: Autos mit Autonomiestufe zwei fordern ihre Nutzer aktuell alle paar Minuten dazu auf, die Hände ans Steuer zu legen. Diesen Automatismus kann das transformierende Lenkrad zu einer kleinen Herausforderung machen, indem es immer andere Teile ausklappt. Dadurch muss sich der Fahrer konzentrieren und nickt nicht ein.

Lenkrad aus dem Konzeptauto Sayer von Jaguar Land Rover
Das nimmt ja Formen an: Das Lenkrad der Zukunft sieht vielleicht anders aus – aber am Ende ist es immer noch ein Lenkrad Foto: Jaguar Land Rover

Autonome Autos und die Freude am Lenkrad

Vor allem Sportwagenhersteller, die Fahrspaß als einen ihrer wichtigsten Verkaufspunkte ansehen, stellt der Trend zu autonomen Autos vor neue Herausforderungen.

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Eine Herangehensweise zeigt das Konzept Sayer von Jaguar Land Rover: Der Fahrer besitzt dann kein Auto, sondern nur das futuristische Lenkrad, das Zugang zur teilautonomen Fahrzeugflotte bietet. Will er losfahren, kommt ein Auto selbstständig vor seine Tür, er setzt das Lenkrad ein, das Fahrzeug übernimmt alle seine Einstellungen, und die Fahrt geht los.

In den nächsten Jahren wird sich wohl die Zukunft des Lenkrads entscheiden. Zumindest vorerst dürfte es noch Teil des Alltags aller Autofahrer bleiben. Es ist allerdings gut möglich, dass die letzte Generation bereits geboren wurde, die selber Autofahren lernt.

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