Technik

Autonom und süß: Tieroptik soll Angst vor Roboter-Autos nehmen

von
Marten Zabel

Selbstfahrende Autos haben noch immer ein Akzeptanzproblem – niedliche Tiergesichter sollen deshalb helfen, die Angst vor Automation und Robotern abzubauen.

Ein Zug einer Schwebebahn in China, der einem Panda nachempfunden ist.
Da rollt ein niedlicher Panda heran: Mit dem Tierdesign wollen Entwickler die Angst vor autonomen Gefährten nehmen. Foto: picture alliance / AA

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Tieroptik den selbstfahrenden Robotern auf der Straße mehr Akzeptanz verschaffen soll
  • Wie diese Idee bereits in Japan Gestalt angenommen hat – in einem Shinkansen
  • Warum freundlich dreinschauende Automationen Vertrauen bei den Passagieren schaffen können

Die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge in der Öffentlichkeit ist weiterhin ein Problem, mit dem sich die Branche weltweit konfrontiert sieht. Ein aggressiver Raubtierblick, wie es bei Sportwagen oft beim Design mitspielt, ist da eher abschreckend. Wer will schließlich vor einem autonomen Roboter-Jaguar die Straße überqueren.

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Nichtsdestotrotz können niedliche Tier-Designs die Angst vor autonomen Autos – und anderen großen Gefährten – reduzieren. Davon sind viele Designer überzeugt – und geben einem Flugzeug das Gesicht eines Belugas, einem Zug eine Panda-Optik oder eben einem selbstfahrenden Auto ein süßes Gesicht.

Selbstfahrende Autos: Roboter in Tieroptik

Während die Fahrer von PS-starken Sportwagen es mögen, dass ihr Auto den bösen Blick im Antlitz hat, hat schon Google – bzw. Waymo – mit seinen ersten autonomen Testfahrzeugen auf ein eher niedliches Äußeres geachtet. Die selbstfahrenden Autos müssen niemanden beeindrucken, sondern sich im Verkehr als sympathische Gemüter darstellen. Entsprechend kamen kindlich-abgerundete Formen, Scheinwerfer als weit aufgerissene Augen und ein Frontsensor in Form einer Koalanase zum Einsatz.

Das selbstfahrende Auto von Google / Waymo.
Keine Angst vor selbstfahrenden Autos: Mit süßer Tieroptik – wie bei Googles Selbstfahrern. Foto: Waymo

Autonome Fahrzeuge sind letztlich Roboter auf Rädern. Dass Roboter mit menschlichen oder süßen, tierischen Zügen für eine bessere Interaktion mit Menschen sorgen, ist schon länger bekannt. Größere Fahrzeuge dürften allerdings von einer Ähnlichkeit mit Tieren profitieren. So werden sie als Lasttiere wahrgenommen, die eine freundliche Persönlichkeit haben und weniger als Bedrohung. Ob sich dies künftig dann auch für autonome LKW durchsetzt, das bleibt allerdings noch abzuwarten.

Diese Design-Entscheidungen kamen aber nicht erst mit der Entwicklung autonomer Autos auf. Bereits die erste Generation des Renault Twingo etwa setzte 1992 auf einen breit lächelnden Kühlergrill und Scheinwerfer, die lieb dreinschauten.

Diesen Effekt hatte auch der in den 1930ern designte VW Käfer, bei dem das allerdings eher Zufall war. Der Käfer war schließlich auch ein militärisch genutztes Auto, das in dieser Rolle ganz gewiss keine Sympathie nach vorne ausstrahlen sollte. Dennoch sah er aus wie ein niedlicher Käfer – was sich auch in seinem Namen widerspiegelte. Die Tatsache, dass Autos ein niedliches Gesicht haben können war entdeckt, und gehört seitdem zum Repertoire der Designer.

Süße Züge rollen bereits durch Japan

Vor allem Japan ist dafür bekannt, Katzen als Design auf viele Dinge zu setzen. So ist es kein Wunder, dass es seit Sommer 2018 einen Shinkansen-Schnellzug mit kompletter Hello-Kitty-Aufmachung gibt. Der außen rosa und weiß lackierte Zug ist auch im Innenraum komplett mit den entsprechenden Farben und Mustern verziert.

Der Shinkansen hat ohnehin auch äußerlich ein Katzendesign. Die Schnellzüge der Fastech-360-Reihe haben ausfahrbare Notfallluftbremsen, die im ausgeklappten Zustand aussehen wie Katzenohren. Die Technik, die eigentlich in der Luftfahrt und bei extremen Hypercars zum Einsatz kommt, ist dabei nicht nur praktisch, sondern auch niedlich – und das bei einer Maschine von mehreren Hundert Tonnen.

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Freundlich dreinschauende Automation schafft Vertrauen

Ebenfalls niedlich ist ein in China eingeweihter Schwebezug: In der Sichuan-Provinz hängt der einschienige Panda, der vollkommen ohne Zugführer auskommt. Die Optik des Maskottchens der Region gibt dem Zug gleich mehr Persönlichkeit. Und mit der niedlichen Persönlichkeit kommt auch Vertrauen auf, das das mulmige Gefühl bei einer autonomen Schwebebahn nimmt. Das macht es Entwicklern viel einfacher, Automation in den Alltag zu integrieren.

Niedlichere Fahrzeuge mit Tierdesigns würden die Straßen nicht effektiv sicherer machen – wohl aber das Gefühl vermitteln, es mit vertrauenswürdigen Geschöpfen zu tun zu haben, anstatt mit seelenlosen Robotern, die einen Passanten ohne viel Aufheben ungebremst überfahren würden. Natürlich müssen für die ausgereifte Technik auch die Sensoren und Kameras ideal arbeiten, damit die Sicherheit eben nicht nur ein Gefühl sondern Realität ist.

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