Elektromobilität

Autonom fahren: Mehr Freizeit für mich

von Gerd Blank

Wenn das Auto autonom zum Ziel fährt, wird der menschliche Pilot zum Fahrgast. Das sorgt für weniger Stress, mehr Sicherheit – und für mehr Zeit.

Autonom fahren: Mehr Freizeit für mich
Der Weg in eine strahlende Zukunft? Zumindest schenken autonom fahrende Autos ihren Besitzern mehr Freizeit. Foto: Shutterstock / albertczyzewski

Das erfahren Sie gleich:

  • Autos, die autonom fahren, schenken ihren Besitzern Zeit
  • Die meisten Deutschen würden diese Zeit nicht zum Arbeiten, sondern als Freizeit nutzen
  • Unser Autor stellt sich seine autonome Fahrt schon mal vor

Aufmerksam fahren geht nur ohne Ablenkung

Das Telefon klingelt. Während ich meinen Blick nicht von der Straße nehme, tippe ich kurz auf das Smartphone, welches in seiner Halterung steckt, und beginne das Gespräch per Freisprecheinrichtung. Ein Kollege ist am anderen Ende der Leitung, wir sprechen über ein paar Fakten aus meinem Text, der in wenigen Minuten veröffentlicht werden soll. Vor mir staut sich der Verkehr; ohne darüber nachzudenken, betätige ich die Bremse. Mein Kollege stellt mir währenddessen Fragen, die ich – zum Glück – alle beantworten kann, ohne an meine Unterlagen zu müssen. Als das Telefonat nach ein paar Minuten vorbei ist, bin ich erstaunt, dass ich bereits an meiner Ausfahrt bin. Das bedeutet, dass ich schon durch den Tunnel gefahren bin – nur erinnere ich mich überhaupt nicht daran.

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Ich bemerke den Stress durch den festen Griff am Lenkrad.

Selbst Auto zu fahren macht häufig Spaß. Dann, wenn die Strecke frei ist und Zeit keine Rolle spielt. Im Alltag bedeutet Auto fahren aber oft auch Stress. In Hamburg, wie in anderen Großstädten auch, ist zur Rush Hour Stop-and-Go angesagt und höchste Konzentration gefragt. Mein Auto ist nicht das neueste Modell, ich muss Abstände zum Vordermann selbst abschätzen, muss ganz alleine den Bremsweg kalkulieren oder das ideale Tempo wählen. Aber vor allem habe ich die ganze Zeit etwas zu tun. Und jede noch so kleine Ablenkung, und sei es nur ein kurzes Telefonat, stresst mich, ohne dass ich es sofort wahrnehme. Ich merke es durch den festen Griff am Lenkrad. Oder durch die trockenen Augen, weil ich vergessen habe zu blinzeln.

Straße im Regen
Keine Sicht, kein Problem: Auch von Regen lassen sich autonom fahrende Autos nicht ablenken. Foto: Unsplash/mkwlsn

Autonom zu fahren bringt viele Vorteile

Der Stress ließe sich vielleicht schon jetzt verringern, indem ich vom Auto zum öffentlichen Nahverkehr wechsle oder ins Taxi steige. Aber meine Termine sind häufig außerhalb der Stadt. Kurz auf die Autobahn, und ich bin da. Mit Bahn oder Bus brauche ich deutlich länger, mit dem Taxi wird es teurer. Und einen eigenen Chauffeur kann ich mir erst recht nicht leisten. Oder doch? Künftig übernehmen Computer das Steuer unserer Fahrzeuge. Jedenfalls gehen Zukunftsforscher und Automobilhersteller davon aus. Das soll viele Vorteile bringen.

Da ist erst einmal die Sicherheit. Intelligente Fahrzeuge erkennen den Verkehrsfluss und passen das Fahrverhalten automatisch an. Autos kommunizieren untereinander. Kommt es doch zu einem Stau oder zu einem Unfall, wird dies von den betroffenen Fahrzeugen an die folgenden übermittelt. Zudem sorgen Kameras und Bilderkennung dafür, dass Personen, Tiere und Gegenstände auf der Fahrtstrecke erkannt werden. Auch aus ökologischer Sicht ist autonomes Fahren ein großer Schritt in die richtige Richtung. Der unbestechliche Bordcomputer berechnet sekundenschnell die Route und programmiert das Fahrverhalten im voraus so, dass möglichst wenig Energie bei gleichzeitig schnellstmöglicher Verbindung verbraucht wird.

Aber für mich am wichtigsten ist der Zeitfaktor. Nicht die Zeitersparnis, die ich möglicherweise habe, weil die Bordtechnik die kürzesten Routen wählt. Sondern der Zeitgewinn für mich ganz persönlich. Ich darf die Fahrt ganz passiv genießen, muss nicht eingreifen. Mir werden Entscheidungen während des Trips abgenommen. Staut es sich, muss ich mich nicht über das Fehlverhalten anderer Fahrer ärgern. Mir wird also nicht nur Freizeit geschenkt (die sogenannte Extra Hour), mir wird auch Stress genommen.

Die Fahrzeit wäre für die meisten Freizeit

Ich stelle mir vor, dass ich diese Zeit dafür nutze, ein wenig zu arbeiten oder mich auf einen Termin vorzubereiten. Ich würde entspannt telefonieren und nebenbei fehlende Informationen recherchieren. Oder ich würde einfach ein wenig schlafen. Damit liege ich voll im Trend: Bei einer Umfrage unter 8500 Personen haben 48 Prozent der Teilnehmer geantwortet, dass sie sich einfach irgendwie die Zeit vertreiben würden, 40 Prozent würden sich mit Mitfahrern unterhalten. Arbeiten würde ein Viertel der Befragten.

Zum autonomen Fahren gehört auch, dem Fahrzeug zu vertrauen.

Interessant an der Umfrage ist ein anderer Wert: 28 Prozent der Teilnehmer würden weiter aufmerksam dem Straßenverkehr folgen. Das klingt nicht nach Entspannung. Ganz klar: Zum autonomen Fahren gehört eben auch, dass man dem Fahrzeug vertrauen muss. Aber schon jetzt vertrauen wir im Alltag der Technik. Ob persönliche Daten, Kontakte oder Termine: Computer und Smartphones wissen alles vom Nutzer. Per App werden rechtssicher Autos oder Ferienwohnungen gemietet, Versicherungen abgeschlossen und Bankgeschäfte abgewickelt. Vertrauliche Dokumente werden per E-Mails verschickt, unsere persönlichen Daten in einer Cloud gespeichert. Und wir folgen beim Fahren den Anweisungen von Navigationssystemen. Da ist es nur der nächste logische Schritt, auch bei der individuellen Fortbewegung der Technik komplett zu vertrauen. Wahrscheinlich kann ein Computer viel als ein Mensch die Gefahren auf der Straße abschätzen. Künstliche Intelligenz lässt sich schließlich nicht von einem Regenschauer, einem Igel oder einem Stau ablenken.

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