Elektromobilität

Automobilindustrie: Batterieproduktion für Elektroautos braucht Anstoß

von Peter Michaely

Automobilindustrie im Wandel: Europäische Hersteller bauen nach China die meisten Elektroautos, doch in der Batterieproduktion hinken sie hinterher.

Eine Frauenhand steckt einen Stecker in den Anschluss eines Elektroautos.
Immer mehr Elektroautos entstehen in Europa – aber die Batterie, der teuerste Teil des E-Autos, kommt meist aus Asien. Foto: Shutterstock / Dmytro Zinkevych

Das erfahren Sie gleich:

  • Weshalb die europäische Autoindustrie ihre Kapazitäten massiv erhöhen muss
  • Warum der Umbruch in der Automobilindustrie staatliche Förderung benötigt
  • Wieso Gigafactories für heimische Elektroautos so wichtig sind

Die Ziele sind hoch gesteckt: Bis 2025 wollen die Automobilhersteller weltweit über 150 Milliarden US-Dollar investieren, damit jährlich über 13 Millionen Elektrofahrzeuge vom Band rollen können.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch die Produktion von Batteriezellen für die Elektromobilität massiv ausgeweitet werden muss. So lautet das Ergebnis einer Studie des International Council on Clean Transportation.

Europäische Autoindustrie muss Kapazitäten massiv erhöhen

Derzeit produzieren China, Europa, Japan und die USA 93 Prozent aller Elektroautos. Zu über 97 Prozent verkaufen diese Märkte die Autos auch. Bei der Produktion von Batteriezellen hingegen ergibt sich ein anderes Bild. Hier zählen Japan und Südkorea nach China zu den führenden Herstellern. Etwa die Hälfte der E-Auto-Batterien stammt aus diesen Ländern. Doch China holt bei der Batterieproduktion mächtig auf: 2016 überholten die Chinesen Japan und Südkorea.

Im vergangenen Jahr übertraf die eigene Zellfertigung der Batterieproduktion im Reich der Mitte jene des US-Marktes um das 11-Fache und lag 22-mal höher als in Europa. Lithium-Ionen-Batterien stammen mittlerweile zu über 50 Prozent aus China. Staatliche Förderung und Restriktionen sind der Motor dieses Erfolgs – zum Beispiel in puncto Kaufanreize für Elektrofahrzeuge, die mit Akkus aus einheimischer Produktion fahren. Das zwingt zunehmend auch japanische und südkoreanische Batteriehersteller dazu, ihre Batterien in China zu fertigen.

Auch die seit vielen Jahren gängige Praxis der Chinesen, ausländische Unternehmen aus der Automobilindustrie zu Joint Ventures mit einheimischen Autoherstellern zu zwingen, verschafft dem Land einen Vorsprung. Dagegen muten die Versuche in den USA und der Europäischen Union wie ein Tropfen auf den heißen Stein an. Die Wende zur Elektromobilität bedingt neben einer Wende in der Infrastruktur nämlich auch eine Wende in der Batterieproduktion.

Umbruch in Automobilindustrie braucht staatliche Förderung

Die ICCT-Studie geht davon aus, dass zwischen Elektroautos und konventionellen Fahrzeugen etwa 2025 Kostengleichheit besteht, wenn die Automobilindustrie weiter massiv in die Produktion von Batterien investiert. Zwischen 2010 und 2017 haben beispielsweise die USA und Europa jeweils über 600.000 Elektroautos produziert, die Zellen für die benötigten Batterien mussten sie hingegen in großem Umfang importieren.

Wie die ICCT-Studie belegt, macht E-Mobilität vor allem auf jenen Märkten Fortschritte, auf denen sie staatlich Förderung erhält. Günstige Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie, Kaufanreize und Investitionen in die Ladeinfrastruktur sind die Schlüssel zum Erfolg. Auch hier setzt China an der Basis an, indem es die Batterieproduktion fördert, denn Batterien sind der Schlüssel zum Erfolg.

Gigafactories sind der Schlüssel für den Elektroauto-Markt

Mittlerweile versucht die EU-Kommission gegenzusteuern. Mit der European Battery Alliance will sie den riesigen Bedarf an Batterien in der EU decken. Dafür sind nach Einschätzung der EU-Kommission alleine zehn bis 20 neue Batteriefabriken, sogenannte Gigafactories, nötig.

Unlängst weckte Tesla-Chef Elon Musk Hoffnungen, Deutschland könnte seine erste Wahl beim Standort für eine solche Gigafactory für E-Auto-Akkus sein. Eine ähnliche Batteriefabrik für Fahrzeuge hat Tesla bereits im US-Bundesstaat Nevada gebaut. Dort baut der Elektroauto-Hersteller zusammen mit Panasonic Lithium-Ionen-Akkus für Autos.

Eine Elektroauto-Batterie in der Fertigung.
Die Batterieproduktion ist zumeist noch in den Händen asiatischer oder amerikanischer Herstellern. Foto: Shutterstock / Romaset

Die USA sind nach China und Europa der drittgrößte Markt für Elektrofahrzeuge und die beliebtesten E-Autos stammen aus einheimischer Produktion. Trotzdem stuft das ICCT die Rahmenbedingungen für weitere Gigafactories in den Vereinigten Staaten als ungewiss ein. Denn nach der gegenwärtigen Gesetzgebung müssten dort 2025 nur zwei bis fünf Prozent aller neuen Autos Elektroautos sein.

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Wie sich die Automobilindustrie in wichtigen Märkten wie Brasilien, Kanada, Indien und Mexiko entwickeln wird (Jahresproduktion zwischen zwei und fünf Millionen Fahrzeugen), ist ebenfalls unklar. Hier spielen Elektroautos noch kaum eine Rolle, weil die Politik die entsprechenden Unternehmen kaum fördert.

Fazit: Dass die Automobilindustrie vor einem Wandel steht, ist keine neue Erkenntnis. Wie immens jedoch der Umbruch ist, dem sich die gesamte Branche und ihre Zulieferer gegenübersehen, zeigen Studien wie diese vom ICCT. Wer im Wettrennen um die Batterie-Technik für Autos und andere Fahrzeuge bestehen will, muss massiv investieren. Momentan ist Asien, vor allem China, führend bei der Produktion von Batterien für Fahrzeuge – Tendenz steigend.

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