Leben

Das Auto als Packstation: Wenn der Paketbote nicht mehr klingelt

von
Gertrud Teusen

Das Auto als Briefkasten? Kein Witz, sondern ein neuer Trend. Autohersteller und Paketdienstleister testen gemeinsam eine neue Dienstleistung.

Paketzusteller blickt vor der Zustellung auf sein Tablet.
Wer zum Lieferzeitpunkt nicht anzutreffen ist, muss seine Pakete meist selbst abholen. Eine neue Technik erlaubt es den Lieferdiensten, die Ware für die Empfänger komfortabel zu hinterlegen. Foto: Shutterstock / Monkey Business I

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum das ewige Warten bald ein Ende haben könnte
  • Wie die Kofferraumzustellung funktioniert
  • Weshalb die Paketbox eine Lösung sein könnte

Keine Frage - der Internethandel boomt und gehört mittlerweile in Millionen von Haushalten zum Alltag. Laut dem Verband der Internetwirtschaft „eco“ steigt der E-Commerce-Umsatz seit Jahren kontinuierlich. Das merkt man unter anderem daran, dass schwer beladene und zumeist unterbezahlte Paketzusteller mit ihren Fahrzeugen Straßen blockieren und sich in den Fluren hilfsbereiter Nachbarn die Paketsendungen stapeln.

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Das geduldig warten bis der Paketbote klingelt, zehrt an den Nerven! Da kann man noch so oft den Status der Sendung checken – es passt eigentlich nie. Und wenn man ausgerechnet dann nicht zuhause ist (oder unter der Dusche steht), muss man doch noch zur nächsten Postfiliale oder beim hilfsbereiten Nachbarn klingeln. Denn genau das ist das Manko am Online-Handel, trotz Tracking und Sendungsverfolgung können die Auslieferer selten die anvisierten Zustellungszeiten einhalten.

Um den Unmut der Kunden mit einer Lösung zu mildern, suchen Online-Händler, Zustelldienstleister und seit neustem auch die Autoindustrie nach phantasievollen Lösungen für das Zustellproblem. Denn man hat jetzt den Kofferraum als alternativen „Briefkasten“ entdeckt.

DHL-Bote liefert ein Amazon-Paket in den Kofferraum eines Audis.
Audi, DHL und Amazon arbeiten zusammen an einer Lösung, die eine Zustellung von Paketen direkt in den Kofferraum der Empfänger ermöglicht. Foto: AUDI AG

Wie die Kofferraumzustellung funktioniert

In der Theorie ist alles ganz einfach, wenn man denn ein eigenes Auto hat, dass den neusten technischen Standards entspricht - Stichwort: Connected Car. Kurz erklärt handelt es sich dabei um Fahrzeuge, die mit Internetzugang (bspw. mit eSIM) und meistens auch WLAN ausgestattet sind. Somit kann das Auto per Internetverbindung mit anderen Geräten „kommunizieren“.

Auf dem Smartphone muss eine spezielle App installiert sein, die einen digitalen Schlüssel generiert. Dieser lässt sich nur einmalig verwenden und öffnet lediglich den Kofferraum.

Wenn der Zusteller das Fahrzeug per GPS ortet, kann er mit dem Endgerät (auf dem man normalerweise unterschreibt und den Empfang bestätigt) den Kofferraum öffnen – und wieder verschließen.

Der Kunde als Auftraggeber und Empfänger der Lieferung bestimmt ein Zeitfenster, der Zusteller bestätigt oder ändert es und der Kunde muss nun nur noch sein Auto in einem bestimmten Radius rund um die Lieferadresse parken.

In der Praxis braucht man ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug und (was je nach Wohnort besonders schwierig ist) einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe der Lieferadresse.

Wer bietet was - und vor allem wo?

Die ersten Autohersteller, die sich mit „In-car Delivery“ bzw. „Ready to drop“ beschäftigt haben, sind Volvo und Smart.

Der schwedische Autobauer hatte schon vor Jahren sein System in einem Pilotprojekt in Südschweden getestet – und für praktikabel befunden. Es wird derzeit in der Schweiz und den USA als Zusatzservice angeboten – beim deutschen Markt zögert man noch. „Es gibt keine konkreten Entscheidungen, ob und wann 'In-car Delivery' auch hier angeboten wird“, kommentiert Volvo-Sprecher Olaf Meidt.

Bei Smart ist man weniger zögerlich. Smart-Besitzer können den Dienst „Smart Ready to drop“ bereits in Stuttgart, Berlin, Köln und Bonn nutzen. Problem: Bei größeren Paketen kann der kleine Smart mit überschaubarem Kofferraum schnell an seine Grenzen kommen.

Ebenfalls einen Testlauf hat VW in Kooperation mit DHL Anfang 2018 in Berlin durchgeführt. Das System „We Deliver“ war in VW-Polo-Modellen eingebaut, die den Testteilnehmern für die Zeit der Studie zur Verfügung standen. Nach ersten Erkenntnissen soll das System der Kofferraumzustellung nun in Serie gehen.

Audi wiederum hat sich für ein Pilotprojekt mit Amazon zusammengetan. Der Versender verfügt ja mittlerweile auch in Deutschland über ein eigenes Logistikunternehmen, um die Bestellungen auszuliefern. Beim Versender besteht deshalb dringender Handlungsbedarf, denn Amazon ist die Paketzustellung an die DHL-Packstationen so vielleicht bald nicht mehr möglich.

Die Suche nach Alternativen ist also brandaktuell. Es gibt dazu bereits Vereinbarungen mit Kunden, die das Abstellen von Bestellungen in der Garage oder auf der Terrasse ermöglichen. Auch ein digitaler Schlüssel zum Öffnen der Wohnungstüren von Empfängern steckt in der Erprobung.

Offen bleibt die Frage, ob die Kunden, Onlineshops und andere Zustelldienste schon bereit dafür sind.

Was spricht für die Kofferraumzustellung

In den Testphasen der verschiedenen Autohersteller waren die Kunden durchweg zufrieden und die Auslieferung der Bestellungen erfolgte überwiegend pünktlich und vollständig. Für Beschädigungen haftet übrigens der Zusteller – und verlangt dafür rund drei Euro extra. Auch kann man eventuell nötige Retouren ebenfalls aus dem Kofferraum abholen lassen. Der lästige Gang zum nächsten Paketshop entfällt.

Da fragt man sich natürlich, warum solch ein toller Service nicht schon längst flächendeckend zur Verfügung steht. Seit Jahren experimentiert Amazon mit alternativen Möglichkeiten zur Ablage von Paketen. Der Kofferraum eines Autos ist (anders als beispielsweise die Zustellung direkt in die eigene Wohnung bzw. das Haus) ein etwas weniger persönlicher Bereich und so bietet Amazon den „Key In-Car“ in den USA an. Dieses System funktioniert in einigen Modellen von Chevrolet, Buick, GMC, Cadillac und Volvo. Die Fahrzeuge müssen lediglich ein aktives Konto beim Dienst OnStar oder im Falle von Volvo „On Call“ haben.

Der Kunde steuert den gesamten Liefervorgang über die Amazon Key App des Smartphones. Diese ist mit dem mit dem Internet verbundenen Auto synchronisiert. Über die Standortbestimmung erfährt der Paketbote auch, wo er das abgestellte Fahrzeug findet.

Dabei muss der Kunde beachten, dass das Auto an einem frei zugänglichen öffentlichen Platz geparkt sein muss, Parkgaragen sind davon ausgeschlossen.

Man sieht, es geht – wenn man will.

Was spricht gegen die Kofferraumzustellung

Ein Manko ist sicherlich, dass noch zu wenige Onlineshops und Zusteller diese Dienstleistung im Angebot haben und andererseits es auch noch relativ wenige Autos gibt, die die Voraussetzungen dafür erfüllen.

Gefragt ist also erstmal ein größeres Angebot – momentan kann man beispielsweise bei Amazon oder bei AllYouNeedFresh in der Maske für Lieferpräferenzen die Kofferraumzustellung als Option angeben. Dazu braucht es dann eine Lieferadresse und die ID des Fahrzeugs, in das die Lieferung erfolgen soll.

Zum anderen braucht man einen öffentlich zugänglichen Parkplatz, der sich (zumeist) nicht weiter als 300 Meter von der Lieferadresse entfernt befinden sollte. Gerade in Großstädten ist das unter Umständen nicht ganz so einfach. Parkhäuser sind übrigens ebenfalls ausgeschlossen.

Findet man keinen Parkplatz bzw. muss man das Auto aus einem anderen Grund im Lieferzeitraum von zwei Stunden umparken, so dass der Zusteller es nicht findet, nimmt er das Paket wieder mit. Schlägt der erste Zustellversuch (aus welchem Grund auch immer) fehl, versucht es der Zusteller am Tag darauf noch einmal. Kurzfristig kann man als Kunde weder den Lieferzeitraum, noch die Lieferadresse ändern.

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Die Alternative: Eine private Paketstation

Eine gute Alternative ist die ganz private Paketstation. Diese sogenannte Paketbox bietet, je nach Volumen, ausreichend Raum für Pakete verschiedener Versender und Zustelldienste. Man montiert sie vor der Haustür – und zwar so, dass sie Diebe nicht abmontieren können.

Die neue Generation dieser Paketboxen ist mit der „ParcelLock“-Technologie ausgestattet. Das bedeutet, dass sich die Box nur mit einem QR-Code und dazugehöriger Pin öffnen lässt – ebenso wie beim Autokofferraum.

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