Technik

Auslastung erhöhen: Bahn in Frankreich baut autonom fahrende Züge

von Paul Bandelin

Die französische Bahn baut autonom fahrende Züge. Das soll nicht nur die Auslastung erhöhen, sondern auch die Pünktlichkeit. Hamburg hat ähnliche Pläne.

Blick in den Kopfbahnhof Gare de Lyon.
Während die Hochgeschwindigkeitszüge TGV weiterhin von Menschen bedient werden, plant Frankreich zumindest den Regional- und Güterverkehr auf autonom fahrende Züge umzustellen. Foto: Shutterstock / NavinTar

Das erfahren Sie gleich:

  • Was sich die Bahn in Frankreich von den autonom fahrenden Zügen verspricht
  • Warum vorerst nur Regional- und Güterzüge autonom unterwegs sind
  • Wie es derzeit in Deutschland um autonome Bahnen gestellt ist

Lange soll es nicht mehr dauern, bis der erste autonome Zug durch die Grande Nation rollt. Bereits ab 2023 sollen selbstfahrende Züge Frankreichs Schienen befahren. Fünf Jahre gibt sich der staatliche französische Bahnbetreiber Société nationale des chemins de fer français (SNCF) Zeit, einen Prototyp auf die Schiene zu bringen.

In den kommenden Jahren will die SNCF in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie und der Regierung zunächst bis 2023 den Prototyp eines autonomen Zuges entwickeln und 2025 mit der industriellen Fertigung beginnen. Insgesamt 57 Millionen Euro sind für das Projekt eingeplant, an dem zwei Konsortien internationaler Unternehmen beteiligt sind.

Die Bahn in Frankreich macht mobil

Der französische Bahnchef Guillaume Pepy betonte dabei, dass keine komplett neuen Züge gebaut würden. Vielmehr sehe der Plan vor, bereits vorhandene Modelle mit der benötigten Technologie, unter anderem Sensoren und Computersysteme, auszustatten. Eine komplette Neuentwicklung wäre derzeit noch zu teuer.

Das ist ganz klar die Zukunft des Zuges.

Guillaume Pepy, Vorsitzender SNCF

Die französische Bahn plant den Einsatz auf stark befahrenen Strecken und erhofft sich eine höhere Pünktlichkeitsrate, da die Autonomie der Züge erlauben würde, den zeitlichen Abstand zwischen den einzelnen Zügen zu verringern. Im Idealfall könnten so bis zu 30 Prozent mehr Bahnen in der gleichen Zeit auf den Schienen verkehren. Positiver Nebeneffekt der Autonomisierung: Das optimierte Fahrverhalten der selbstfahrenden Züge reduziert den Energieverbrauch.

Die Planung sieht zunächst den Umbau von Regional- und Güterzügen vor. Außen vor bleiben, zumindest in der Anfangszeit, die Hochgeschwindigkeitszüge des TGV – bei ihnen sollen vorerst lediglich Beschleunigung und Bremsvorgang automatisiert werden. Um die Sicherheit der Fahrgäste zu garantieren, fährt in jedem der autonom fahrenden Züge trotzdem ein ausgebildeter Lokführer mit, um im Notfall einzugreifen.

Zwei Arbeitsgemeinschaften internationaler Unternehmen sind es, die sich dem Großprojekt angenommen haben. Zum einen werden die Passagierzüge von Bombardier, einem kanadischen Hersteller von Flugzeugen und Technik für den Schienenverkehr, sowie Bosch, der französischen Technologiegruppe Thales und dem KI-Spezialisten SpirOps entwickelt.

Auf der anderen Seite arbeitet der in Frankreich beheimatete Transportspezialist Alstom zusammen mit dem italienischen Signal-Experten Ansaldo STS an autonomen Güterzügen.

Porträt des SNCF-Chefs Guillaume Pepy.
Guillaume Pepy, Vorstandschef der französischen Bahn SNCF, will die Bahn autonomisieren. Foto: picture alliance / Yann Foreix/M

Hamburg bekommt autonome S-Bahn

Neben Frankreich gibt es auch in Deutschland Pläne, Züge zu autonomisieren. Der frühere Bahnchef Rüdiger Grube äußerte sich vor zwei Jahren in Berlin optimistisch zu einer Vollautonomisierung von Teilen des Bahnnetzes, erntete damit aber eher Skepsis aus der Wirtschaft.

In der kleinen Nachbarstadt Potsdam ist man da schon weiter. Zwischen dem 18. und 21. September 2018 fuhr dort eine der Straßenbahnlinien autonom – allerdings nur für hochrangige Besucher der InnoTrans und die Presse. Auf rund sechs Kilometern absolvierte sie im Süden der Stadt ihre Testfahrten. Auch hier noch mit einem Fahrer, der im Fall der Fälle eingreift.

In Hamburg sollen pünktlich zum Weltkongress für intelligente Transportsysteme Ende 2021 vier S-Bahnen autonom verkehren. Siemens und die Deutsche Bahn unterzeichneten im Juli einen entsprechenden Vertrag.

Der Plan sieht einen 23 Kilometer langen Streckenabschnitt auf der S-Bahn-Linie 21 zwischen dem Berliner Tor und der Station Bergedorf vor. Auch hier soll für den Notfall ein Zugführer mit an Bord sein, wie es bislang gesetzlich vorgeschrieben ist.

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