Leben

Astronauten sollen den Weg zum Mars im Kälteschlaf verbringen

von Marten Zabel

Die NASA-finanzierte Firma SpaceWorks arbeitet daran, Astronauten in wochenlangen Kälteschlaf zu versetzen. Marsreisen werden damit deutlich einfacher.

Astronaut der NASA bei einem Außeneinsatz im Weltraum.
Durch einen Kälteschlaf könnten Astronauten in Zukunft erholter im All ankommen – und dabei weniger Ressourcen verbrauchen. Foto: NASA

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die NASA Astronauten für längere Reisen in Kälteschlaf versetzten will
  • Welche Vorteile es hat, wenn die Raumfahrer die Reise verschlafen
  • Warum der Kälteschlaf bei der Besiedelung des Mars eine Rolle spielen könnte

Ein Flug zum Mars dauert mehrere Monate. Robotersonden verbringen einen Großteil dieser Reise im Ruhezustand – für Menschen wäre die Zeitspanne eine Tortur. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat jetzt die Firma SpaceWorks mit der Entwicklung von Technologien beauftragt, die Menschen in einen längeren Kälteschlaf versetzt könnte. Damit müsste ein Raumschiff nicht mehr so groß sein – und die Astronauten würden unterwegs weniger Ressourcen verbrauchen.

Was zunächst wie Science Fiction klingt, ist laut SpaceWorks durchaus machbar: Die Firma plant, die Körpertemperatur der Astronauten um fünf Grad Celsius zu senken und bis zu zwei Wochen am Stück im Tiefschlaf zu halten. In diesem Zustand, in der Biologie als Torpor bekannt, sinkt die Stoffwechselrate des Körpers um 50 bis 70 Prozent ab. Was bei anderen Säugern in Form von Winterschlaf funktioniert, soll auch bei Menschen möglich sein.

Menschen für die Marskolonie im Kälteschlaf

Nach den 14 Tagen Kühlschlaf sollen die Menschen dann aufwachen, sich aufwärmen und ein paar Tage erholen, bevor es dann zurück in den Torpor geht. Auf einem langen Raumflug würde sich so eine Menge Nahrung, Wasser aber auch Sauerstoff einsparen lassen.

Vierzehn Tage halten wir mit ziemlich großer Zuversicht für machbar.

John Bradford, SpaceWorks-Präsident und ehemaliger NASA-Ingenieur

Das Raumschiff wäre damit entweder kleiner oder hätte Platz für mehr Passagiere. Das wäre vor allem für eine spätere Besiedlung des Mars oder noch weiter entfernter Objekte im Sonnensystem von großem Vorteil.

Weitere Vorteile für die Raumfahrt

Ein weiterer Vorteil des Torpor-Kälteschlafs für die Raumfahrt wäre ein Nebeneffekt, der bislang nur in der Theorie bekannt ist: Bären etwa verlieren während des Winterschlafs keine Muskelmasse. Die Atrophie der Muskeln ist bei längerer Zeit im All ein Problem, gegen das Astronauten in der Schwerelosigkeit etwa auf der ISS ständig trainieren müssen.

Die Wissenschaftler hoffen, dass durch den Torpor nicht nur die Muskelmasse erhalten bleibt: Auch die Demineralisierung der Knochen fällt im Kälteschlaf geringer aus als im Wachzustand – wenn das bei Menschen funktioniert.

Menschen in Torpor zu versetzen, ist in der Notfallmedizin bereits Praxis: Frühchen werden zeitweise ebenso in therapeutischer Unterkühlung gehalten, wie Herzpatienten, deren Stoffwechsel aus Sicherheitsgründen vorerst verlangsamt werden soll. Bislang wird das allerdings in der Regel nicht länger als ein paar Tage am Stück getan.

Was SpaceWorks vorhat, geht deutlich weiter und soll nach dem vorläufigen Ziel von 14 Tagen auch noch auf deutlich längere Perioden ausgedehnt werden. So soll eine Reise durch das Sonnensystem von einem monatelangen Warten an Bord eines Raumfahrzeugs zu einer erträglichen Reihe von Schlafphasen werden.

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