Elektromobilität

Artificial Intelligence: Die Ergebnisse der Moral Machine

von Ji-Hun Kim

Künstliche Intelligenz wird in der Autobranche ein milliardenschwerer Markt. Was kann das intelligente Auto der Zukunft und wie trifft es Entscheidungen?

Komplexe Straßenkreuzung mit gelben und weißen Markierungen aus der Luft aufgenommen
Kreatives Chaos: Noch ist das Verkehrsgeschehen oft zu komplex für die künstliche Intelligenz. Experten glauben aber, dass AI-basierte Elektromobilität bald zum Mainstream wird. Foto: CC0: Unsplash/Deva Darshan

Das erfahren Sie gleich:

  • Wo künstliche Intelligenz im Auto eine wichtige Rolle spielt
  • Wie Fahrzeuge künftig selbst schwierige Entscheidungen treffen sollen
  • Wo künstliche Intelligenz bereits zum Einsatz kommt

Damit autonome Autos funktionieren, braucht es zahlreiche Sensoren, Kameras und sogar laserbasierte Messsysteme. Um die Daten jedoch auch auswerten zu können und so sicher über die Straße zu navigieren, ist ein Mindestmaß an künstlicher Intelligenz erforderlich. In gewisser Weise steht und fällt das Konzept der Selbstfahrer also mit der Weiterentwicklung der Technik.

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Doch das gestaltet sich nicht so einfach, denn bereits früh müssen die Systeme lernen, verantwortungsbewusst mit heiklen Situationen umzugehen. Helfen sollte dabei eine weltweite Umfrage – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Wie moralisch kann die AI handeln?

Das große Ziel wird sein, mit Hochleistungsprozessoren und immer ausgefeilterer Software das sogenannte Autonomie-Level 5 zu erreichen. Was bedeutet, dass ein Automobil ohne Lenkrad, Gaspedal oder Spiegel bewegt werden kann.

Level 5 bedeutet aber auch, dass das Design von Autos sich von allen heutigen Gestaltungsvorgaben befreien kann. Wie lässt sich ein elektrisches Auto ohne Cockpit und Armaturenbrett nutzen? Hier dürften Designer für Exterior und Interior völlig neue Ausdrucksweisen entdecken und entwickeln. Ob als fahrendes Wohnzimmer oder Konferenzraum, Gaming-Zimmer oder Mini-Kino, die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt.

Wie potent bereits heutige Alltags-Gadgets sind, bewies der chinesische Smartphone-Produzent Huawei gemeinsam mit Porsche kürzlich auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Hier wurde ein Auto vom Band nur mit einem Smartphone und wenigen Kameras autonom gemacht.

Auch wenn so ein Projekt noch weit von der Straßenzulassung entfernt ist, zeigt sich, wie viel Power heute schon in kleinsten Taschencomputern steckt und wie rasant sich der Fortschritt nahezu täglich weiter entwickelt.

Haben vollends autonome Vehikel so etwas wie eine Moral? Eine philosophische Frage, die im Detail weitaus komplexer ist, als man gemeinhin meinen könnte. Das renommierte MIT hat dafür das Projekt „Moral Machine“ vor einiger Zeit gestartet.

Zwei rote Würfel mit weißen Punkten liegen auf einem glänzenden Tisch.
Würfeln für die Moral: Beim Projekt "Moral Machine" steht auch zur Frage, auf welcher Basis die AI moralische Entscheidungen treffen sollte. Manche Forscher glauben: Am Besten rein zufällig. Foto: CC0: Unsplash/Aldric RIVAT

Dieses Experiment zeigt, dass trotz aller Euphorie für Technik wichtige humanistische Fragen noch lange nicht beantwortet sind. Der Weg in die autonome Elektromobilität wird ohne Frage rasant beschritten. Steinig ist dieser aber dennoch allemal.

Die umstrittenen Ergebnisse der Moral Machine

Nach 40 Millionen Entscheidungen von Teilnehmern aus 233 Ländern und Regionen zog das Team hinter der Moral Machine kürzlich Bilanz. Die Auswertung macht schnell klar, dass die Nutzer bestimmte Personengruppen klar bevorzugten. So retteten die Teilnehmer besonders oft Kinder und schwangere Frauen.

Mit etwas größerem Abstand folgen Ärzte. Erst danach kommen weibliche Athleten und Geschäftsfrauen. Tiere haben für die Nutzer einen deutlich geringeren Wert und müssen deshalb meist an Stelle von Menschen sterben. Kommt es zur Entscheidung zwischen älteren und jüngeren Menschen, bekommen letztere meist den Vorrang.

Bei genauerer Betrachtung der einzelnen Regionen zeigt sich hingegen ein etwas anderes Bild. In vielen Asiatischen Ländern geben die Nutzer eher den älteren Menschen den Vorzug. Zurückzuführen ist das wohl auf dem tief in der Gesellschaft verankerten Respekt vor den Älteren.

Während im westlichen Teil der Welt die Nutzer weniger oft bereits sind aktiv einzugreifen und das autonome Auto selbst in eine der Gruppen zu steuern, ist im südlichen Cluster aktives Eingreifen stärker gefragt. In Mittel- und Südamerika sind die Menschen somit etwas Entscheidungsfreudiger – sie nehmen sich selbst mehr in die Pflicht.

Forscher aus aller Welt äußerten bereits in der Vergangenheit ihre Bedenken an der Befragung und warnen vor der Deutung der Ergebnisse. Die Befragung erfolgte schließlich anonym anhand eines “Spiels”. Mehrfachteilnahmen waren möglich. Das kann zu einer Verfälschung der Ergebnisse führen. Interessant sind die Daten aber allemal.

Künstliche Intelligenz im Auto

Künstliche Intelligenz wird für Infotainment-Systeme eine genauso wichtige Rolle spielen wie für autonome Fahrkonzepte oder auch das Interior-, wie Exterior-Design. Die Potentiale, die sich durch die Entwicklung von derartigen Technologien auftun, scheinen – glaubt man den Protagonisten – unbegrenzt. Es geht daher weniger um die Frage, ob AI eine wichtige Rolle in der Zukunft spielen wird, sondern vielmehr, welche Rolle AI spielen kann.

Seit einiger Zeit entstehen zahlreiche Kooperationen zwischen Technologieunternehmen und der Automobilindustrie rund um die künstliche Intelligenz. Denn wenn auch heute bereits Autos autonom unterwegs sein können – die Komplexität, die das Fahren von Autos mit sich bringt, ist noch lange nicht vollends erforscht und ausgelotet.

Experten gehen aber davon aus, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten AI-basierte autonome Elektromobilität zum Mainstream wird und sich das Verständnis von Mobilität im Generellen grundlegend verändern wird. Tech-Unternehmen wie NVIDIA, Intel, Qualcomm, Apple und Co. investieren im großen Stile in den Bereich; nahezu täglich werden neue Konzepte und Plattformen vorgestellt.

Im Innenspiegel des Autos ist eine Autofahrerin zu sehen.
Immer im Blick: Früher konnten nur die Insassen auf der Rückbank dem Fahrer (über den Innenspiegel) ins Gesicht schauen. Die neue Software von NVIDIA erkennt den Fahrer jetzt über ihre Gesichtserkennung. Foto: Shutterstock / aerogondo2

Artificial Intelligence: Wichtige Entwicklungen

Ein Beispiel: Auf der CES 2018 in Las Vegas stellte NVIDIA die Software-Plattform Drive IX vor. Der AI-Co-Pilot erkennt den Fahrer durch Gesichtserkennung und kann so Sitzeinstellungen und andere Präferenzen abrufen. Aber die Sensoren können ebenfalls erkennen, ob der Fahrer zu müde ist, um die Fahrt anzutreten.

Gesten und Sprachbefehle ermöglichen Zugriff auf die wichtige Funktionen, und das System erkennt sogar, ob der Fahrer abgelenkt ist in dem Fall, dass beispielsweise ein Kind plötzlich die Straße überquert.

Gemeinsam mit Volkswagen will NVIDIA Drive IX im Prototypen I.D. Buzz testen. Bis 2022 soll die Serienreife erreicht werden. „Künstliche Intelligenz in Autos setzt da an, wo konventionelle Computer an ihre Grenzen kommen“, erklärt Rob Csongor, General Manager of Automotive bei NVIDIA.

„Wenn man per Hand für jedes Objekt auf der Welt ein Computerprogramm schreiben wollte, würde man nie zu Ergebnissen kommen. Man kann aber mit Hilfe von artificial intelligence Computern beibringen zu lernen, Objekte zu erkennen und die Welt zu verstehen, geht mit AI viel schneller als mit klassischer Software.“

Drei wichtige Schritte werden hierbei von Bedeutung sein:

Zunächst geht es darum, dass das Auto in der Lage ist, die Gegend um einen herum akkurat zu erkennen und zu analysieren. Hier ist ein nahtloses Zusammenarbeiten aller Sensoren (Radar, Kameras etc.) von Bedeutung.

Als zweiter Schritt kommt die Lokalisierung. Wie genau und verlässlich kann das Vehikel die Umfeldanalyse mit bestehendem Kartenmaterial synchronisieren?

Und schließlich geht es darum, Autos beizubringen „menschlich“ zu fahren. Wie abrupt darf gebremst werden, wie aggressiv wird auf der Autobahn überholt? Bei welcher Fahrweise fühlen sich Menschen besonders sicher?

„Das sind alles anspruchsvolle Herausforderungen“, sagt Csongor, „aber AI ist in der Lage, all diese Fragen zu lösen. Genau deshalb haben wir derzeit so viele Durchbrüche zu verzeichnen.“

AI spielt in vielen Bereichen eine wesentliche Rolle

Wenn man in den Medien von AI (artificial intelligence, also künstliche Intelligenz) hört, dann ist oft die Rede von Supercomputern, die beispielsweise Schach-, Go- oder neuerdings auch Poker-Champions bezwingen oder wie Watson von IBM sogar in der Quizshow Jeopardy als glorreicher Sieger den Platz verlassen.

Die Kernfrage, die hier diskutiert wird ist: Ist der Computer schlauer oder gar besser als der Mensch?

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Dabei spielt artificial intelligence heute schon im Alltag eine wichtige Rolle. Von Empfehlungssystem bei Netflix, Spotify oder Amazon, Sprachassistenzen im Smartphone wie Siri, Google Assistant oder seit einiger Zeit auch in smarten Lautsprechern wie Amazon Echo, Apple HomePod und Google Home.

Das Thema ist also vielseitig, und häufig ist den Nutzern heute schon gar nicht mehr bewusst, ob eine AI im Hintergrund am Werk ist oder nicht. Anders als bei technologischen Innovationen wie dem Smartphone, ist das Konzept der AI nicht auf bestimmte Szenarien oder gar Produkte und Designs limitiert.

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