Elektromobilität

Apple iCar: Alle Infos zum Project Titan

von
Thomas Pitscheneder

Zu den großen Automobilherstellern könnte künftig auch Apple gehören. Immer wieder tauchen Gerüchte zu einem eigenen Auto der Marke auf – so auch jüngst.

Apple-Store über einer großen Straße.
Bereits seit mehreren Jahren soll Apple an einem eigenen Auto arbeiten. Trotz strenger Geheimhaltung gelangen immer wieder neue Informationen an die Öffentlichkeit. Foto: Unsplash/Alexandr Bormotin

Das erfahren Sie gleich:

  • Wann erste Informationen zu einem Auto von Apple aufkamen
  • Was Tesla mit dem Fahrzeug zu schaffen hat
  • Welche Richtung die Entwicklung aktuell einschlägt

Bereits seit einigen Jahren wachsen Automobil- und Technikkonzerne immer enger zusammen. Sensoren, Kameras und Multimedia-Systeme in Fahrzeugen machen das notwendig. Firmen wie Nvidia sind durch die Entwicklung von autonomen Autos sogar ein fester Bestandteil der mobilen Zukunft.

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Anderen Firmen macht diese Entwicklung die Automobil-Branche erst schmackhaft. Offenbar hat auch Apple Interesse und arbeitet wohl still und heimlich an einem eigenen Auto. Die aktuellen Informationen und Gerüchte dazu gibt es hier.

Tesla-Ingenieur für Project Titan abgeworben

Bisher war der Ingenieur Dr. Michael Schwekutsch für die Entwicklung von Elektromotoren bei Tesla zuständig. Doch kürzlich verließ er das Unternehmen, um bei einer noch größeren Firma anzuheuern: Apple. Dort ist Schwekutsch laut seinem Profil bei LinkedIn als "Senior Director of Engineering" im Team SPG tätig. Aufgefallen war das der Seite "Electrek".

Die Abkürzung SPG steht für "Special Project Group" und umfasst verschiedenste Zukunftstechnologien. Dazu gehört auch das Project Titan. Einen Motor-Experten ins Team zu holen, spricht für die Weiterentwicklung eines eigenen Fahrzeugs. Entlassungen sorgten zuletzt dafür, dass ein Apple iCar in weite Ferne rückte.

Apple entlässt zahlreiche Mitarbeiter

Ein Brief an den kalifornischen Arbeitsservice brachte die traurige Gewissheit: Viele der an Projekt Titan arbeitenden Beschäftigten müssen Apple verlassen. 190 Menschen verlieren damit ihren Job beim Technik-Riesen. Besonders hart trifft es wohl die Techniker, denn aus diesem Bereich stammen 124 Mitarbeiter.

Beschäftigt sind die 190 Mitarbeiter noch bis einschließlich 15. April 2019. Viele weitere mit Projekt Titan betraute Menschen wechseln intern in andere Teams. Das Unternehmen will sich wohl in den kommenden Monaten wieder verstärkt auf seine Kernkompetenzen konzentrieren – sicher auch aufgrund der sinkenen iPhone-Verkäufe. Die Nachricht dürfte auch Spekulationen um ein eigenes Auto der Firma zunächst entkräften. Die Entwicklung von autonomen Systemen will Apple aber weiterhin nicht aus den Augen verlieren.

Neue Hinweise zu eigenem Auto

Zuletzt gab es wieder Hinweise, dass Apple tatsächlich an einem vollständigen Auto arbeiten könnte. Das legte ein Bericht des Manager-Magazins nahe. Der berufte sich auf “mehrere mit der Entwicklung vertrauten Personen”. Demnach hatte das Team einen Kleinbus aufs Papier gebracht. Der sollte der bekannten Designsprache des Unternehmens folgen – Schwarz und Silber sollten dabei wohl dominieren.

Gleichzeitig schrieb das Magazin, dass Apple auch an der passenden Technik forsche. Der Elektromotor für den Van solle aus eigenem Hause kommen. Auch die Batterien wolle Apple wohl selbst bauen. Damit wäre das Unternehmen einen ähnlichen Weg wie die, ebenfalls in Kalifornien ansässige, Marke Tesla gegangen.

Ein neuartiger Sicherheitsgurt für das iCar?

Der Technik-Riese Apple sichert sich immer wieder neue Patente rund um das Auto. Nun tauchte ein kürzlich genehmigter Antrag auf, in dem es um einen Sicherheitsgurt geht. Offenbar will Apple den in Zukunft mit Technik ausstatten. Im Patent führt das Unternehmen etwa eine Integration von Lautsprechern und Mikrofonen auf. Damit ließen sich dann Telefonate führen oder sogar individuelle Musikstücke abspielen.

Zusätzlich plant Apple wohl eine Steuerung per Touch und Gesten. So bekommen auch Mitreisende im Fond die Möglichkeit, das Infotainment-System oder die Navigation im Auto zu bedienen. Besonders nützlich wären solche Innovationen natürlich in autonomen Fahrzeugen. Die hat Apple dabei wohl auch im Sinn. Ob das Unternehmen wirklich aktiv an der Technik arbeitet – oder sich nur die Rechte an der Idee sichern möchte – bleibt unklar.

Apple: “Peloton”-System für autonome Auto-Konvois

In den USA tauchte kürzlich ein neues Patent von Apple auf. Darin beschreibt das Unternehmen ein neues System für Fahrzeuge, das auf den Namen “Peloton” hört. Die Bezeichnung stammt aus dem Radrennsport und beschreibt das geschlossene Hauptfeld, also einen Pulk an Fahrern.

Genau das soll wohl auch die neue Technik von Apple sein. Autonome Autos sollen innerhalb des Systems nah beieinander über die Straßen fahren. Wie beim Radrennsport profitieren so die hinteren Fahrzeuge vom Windschatten der vorausfahrenden Autos. Doch das ist nur ein Nebeneffekt.

Eigentlich hat Apple ein anderes Ziel im Auge. Die Autos sollen miteinander verbunden sein und sich so die Akkukapazität teilen. Insgesamt sollen die Fahrzeuge so eine höhere Reichweite erreichen. Laut Unternehmen funktioniert das bereits ab zwei verbundenen Fahrzeugen, wobei auch größere Gruppen möglich seien. Dann passen die Fahrzeuge ihre Position im Peloton sogar automatisch an, um den Strom besser zu verteilen.

Ob es die Technik auch wirklich auf die Straße schafft, ist noch unklar. Hersteller melden Patente oft nur an, um sich die Rechte an einem bestimmten System zu sichern. Weiter bleibt außerdem unklar, ob Apple die Technik in Fahrzeuge von anderen Herstellern oder in ein eigenes Auto einbaut.

Apple iCar: Team arbeitet an Projekt Titan

Der Wunsch nach einem eigenen Auto der Marke soll bis ins Jahr 2008 zurückreichen. Damals habe der Apple-Mitbegründer Steve Jobs erstmals mit dem Gedanken gespielt. Viel Zeit darüber nachzudenken blieb aber wohl nicht, denn die Vorstellung des ersten iPhones stand unmittelbar bevor.

Auf die Idee gebracht haben soll Jobs laut dem ehemaligen Vorstandsmitglied Millard S. Drexler die Veröffentlichung des Tesla Roadsters. Der Apple-Chef fand das Auto offenbar faszinierend und sah in der Elektromobilität auch für seine Firma eine Zukunft.

Der große Erfolg des iPhones und anstehende Projekte wie das iPad sorgten jedoch dafür, dass Apple die Pläne auf die lange Bank schob – für eine lange Zeit. Erst nach dem Tod von Steve Jobs im Jahr 2011 griff das Unternehmen die Idee wieder auf.

Unter dem Projektnamen "Titan" soll der neue CEO Tim Cook im Jahr 2014 den Startschuss für die Entwicklung gegeben haben. Hauptverantwortlicher soll zu diesem Zeitpunkt der Vizepräsident und ehemalige Ford-Ingenieur Steve Zadesky gewesen sein.

Erste Gerüchte zum iCar tauchten schon 2015 auf

Im Februar 2015 tauchten Gerüchte zu Apples Auto erstmals in der Öffentlichkeit auf. Nachdem das Wirtschaftsmagazin Business Insider über seltsame Vans berichtete, die über die Straßen rund um San Francisco fuhren, soll sich ein Mitarbeiter von Apple bei der Redaktion gemeldet haben.

Er behauptete, dass etwa 50 Tesla-Mitarbeiter in den Monaten zuvor zu Apple wechselten. "Apples jüngstes Projekt ist zu aufregend um es sich entgehen zu lassen", so der Informant. Business Insider erschien die Entwicklung eines eigenen Autos zu diesem Zeitpunkt jedoch noch zu unwahrscheinlich. Vielmehr glaubten die Journalisten an ein "iPhone-zu-Auto"-System. Das ist heute als Apple Carplay bekannt.

Doch die anfänglichen Gerüchte sollten sich in den folgenden Wochen und Monaten verdichten. Immer mehr große Namen der Automobilbranche stießen zu Apple oder stellten eine beratende Verbindung zur Firma her. Zudem soll es Treffen zwischen Entwicklern und verschiedenen auf autonomes Fahren spezialisierten Firmen gegeben haben.

Öl ins Feuer goss Tim Cook im Rahmen der WSJDLive im Oktober 2015. Der Apple-Chef sprach über anstehende Veränderungen in der Automobilindustrie, die die gesamte Branche verändern sollen. Genauer nannte er dabei autonomes Fahren und umfangreiche Infotainment-Systeme.

Elon Musk verspürte Druck von Apple

Anfang 2016 mischte sich auch Elon Musk in die Diskussion ein. Die Medien brachten sein Unternehmen Tesla zuvor immer wieder in Verbindung mit Apple. Investoren der Firma aus Cupertino sollen die Übernahmen von Tesla gefordert haben. Musk sagte zu der Geheimniskrämerei von Apple: "Es ist schwer etwas zu verstecken, wenn du über Tausend Ingenieure einstellst, die es umsetzen sollen."

Nur wenige Monate später schaffte es Apple erneut in die Schlagzeilen. Offenbar hatte das Unternehmen Interesse an Ladestationen für Elektroautos bekundet. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war für viele Experten klar, dass die Bemühungen von Apple deutlich in Richtung eines eigenen E-Fahrzeugs gingen.

Doch offenbar geriet Apple im Herbst 2016 in Bedrängnis. Das Unternehmen entließ eine unbekannte Nummer an Mitarbeiter an dem Projekt. Zudem stiegen einige Entwickler und Ingenieure freiwillig aus. In Folge dessen soll Apple das Team neu aufgestellt haben – mit rund 1000 verbliebenen Mitgliedern.

Testfahrten mit autonomen Autos in Kalifornien

In Folge der negativen Berichte blieb es einige Monate auffällig still um Projekt Titan. Im April 2017 tauchte die Firma dann plötzlich wieder in Zusammenhang mit Autos auf. Gerüchte sprachen davon, dass Apple Tests mit autonomen Autos auf den Straßen von Kalifornien plane.

Wenige Wochen danach sagte Tim Cook in einem Interview mit Bloomberg TV, dass sich sein Unternehmen auf autonome Systeme konzentriere. Gleichzeitig bestätigte er jedoch, dass die nicht unbedingt in einem eigenen Auto zum Einsatz kommen müssten.

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Rechtsstreit verrät weitere Details

Bis heute baute Apple seine Testfahrten für die Technik weiter aus. Mitte September stieg die Zahl der Fahrzeuge auf kalifornischen Straßen auf 70 an. Apple testet damit die drittmeisten Autos hinter General Motors Cruise und der Google-Tochter Waymo. Um eigene Fahrzeuge handelt es sich dabei aber nicht. Apple erprobt nur die Technik.

In welchem Umfang das geschieht macht ein aktueller Fall klar. Ein ehemaliger Apple-Mitarbeiter soll vor seinem Wechsel zur chinesischen Firma Xiaopeng Motors sensible Informationen aus den Datenbanken seines ehemaligen Arbeitgebers entwendet haben. Den veröffentlichten Anschuldigungen der US-Polizei ist zu entnehmen, dass etwa 5000 Mitarbeiter an dem Projekt arbeiten und rund 2700 Personen Zugang zu den damit zusammenhängenden Datenbanken haben.

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