modernes mobiles Leben

Leben

Apis Cor: Ein Haus bauen mit dem 3D-Drucker – wie geht das?

von Alexander Kraft

Rundes Haus aus dem 3D-Drucker
Günstig und schnell gebaut: Mit dem Haus aus dem 3D-Drucker sollen Menschen weltweit ein Dach über dem Kopf bekommen. Foto: Apis Cor

Das erfahren Sie gleich:

  • Ein 3D-Drucker der Firma Apis Cor kann in Windeseile ein Haus bauen
  • Ein-Zimmer-Haus zum Preis eines Kleinwagens
  • Weiterer Vorteil beim 3D-Druck ist die Nachhaltigkeit

Der 3D-Druck erreicht neue Dimensionen: Bei der Firma Apis Cor übernimmt ein 3D-Drucker den Hausbau – und zwar direkt vor Ort.

Revolutioniert Apis Cor den 3D-Druck?

Die Firma Apis Cor mit Sitz in San Francisco und Russland denkt in großen Dimensionen: Sie baut Häuser komplett mit dem 3D-Drucker. Die Idee an sich ist dabei nicht das Originelle. Erste Gebäude, die im 3D-Druck gefertigt sind, gab es bereits vorher, und auch Autos können inzwischen im 3-Drucker entstehen.

Aber Apis Cor lässt die Gebäude direkt vor Ort entstehen. Nicht die einzelnen, vorab in einer Fabrik gedruckten Versatzteile werden also transportiert, sondern lediglich der Drucker und das Material. Revolutioniert die Firma damit das Bauwesen?

Ein ganzes Haus bauen mit dem 3D-Drucker – wie geht das denn? Der mobile 3D-Drucker, den Apis Cor eigens dafür konstruiert hat, erinnert eher an einen geschrumpften Baukran denn an hochmoderne Computertechnik. Der Hybrid aus Kran und Drucker ist sowohl in Höhe als auch Reichweite flexibel und erreicht einen Anwendungsbereich von knapp 130 Quadratmetern, sofern er von nur einem Standpunkt aus arbeitet.

Bis zu 3,3 Meter hoch können die ebenerdigen Instant-Häuser dadurch werden – für mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser ist die Konstruktion nach jetzigem Stand also noch ungeeignet.

24 Stunden braucht der 3D-Drucker für ein 38 Quadratmeter großes Wohnsilo.

Als "Tinte" für die Wände kommt eine Betonmischung zum Einsatz. Präzise wie ein Industrieroboter trägt der Kran Schicht für Schicht auf – und lässt das Haus so zügig in die Höhe wachsen. Dach, Fenster und Türen setzen Bauarbeiter anschließend von Hand auf und ein, nachdem der Kran seine Arbeit verrichtet hat und seinerseits mit einem größeren Kran aus dem noch dachlosen Gebäude gehoben wird.

Nach Fertigstellung des Rohbaus kümmern sich auch hier weiterhin menschliche Helfer um die Verkabelung, die Wärmedämmung und das Auftragen der Wandfarbe.

Drucken, Haus bauen, fertig

Ein erstes Haus hat Apis Cor bereits in Russland auf eigenem Firmengelände mit dem Drucker gebaut. Das ungewöhnliche Design mit seinen runden Ecken ist gewöhnungsbedürftig, wirkt von innen aber erstaunlich geräumig. Gerade einmal 24 Stunden braucht der Drucker für den 3D-Druck des 38 qm großen Wohnsilos.

Wie mit der heißen Nadel gestochen sieht es dennoch nicht aus. Bis zu 175 Jahre soll das Druckergebnis unter normalen Bedingungen bestehen können. Gesamtkosten für das Haus: knapp über 10.000 Dollar. Ein Leben im eigenen Haus wird damit also erschwinglich.

Die Form des Hauses ist dabei nicht festgeschrieben. Den Grundriss und die Größe soll der Auftraggeber weitestgehend frei bestimmen können. Anhand des Bauplans realisiert der Drucker anschließend im Alleingang das Traumhaus. Theoretisch ließe sich so innerhalb eines Wochenendes ein komplettes Haus bauen und am Montag beziehen, wo am Freitag noch nicht mal ein Baustellenzaun stand.

3D-Druck statt normaler Hausbau

In Zeiten, in denen Autos das autonome Fahren lernen, Schlafkapseln an Flughäfen zum Powernapping einladen und selbstversorgende Häuser aus Müll oder Plastik gebaut werden, wirkt es wie ein logischer Schritt zu noch mehr Effizienz, im 3D-Druckverfahren ein Haus zu bauen.

Doch Apis Cor geht es nicht nur um Schnelligkeit. Nachhaltigkeit spielt bei der Konstruktion ebenfalls eine Rolle, auch deshalb setzt die Firma auf den 3D-Druck als Alternative zum normalen Hausbau. "Wir wollen das Bauen verändern und zeigen, dass es eben nicht schnell, umweltfreundlich, effizient und verlässlich zur gleichen Zeit sein kann", heißt es auf der Homepage.

Das neuartige Verfahren, Häuser direkt an Ort und Stelle innerhalb kürzester Zeit entstehen zu lassen, soll dabei vor allem ärmeren Regionen zugute kommen. Denn der Kran ist wesentlich einfacher zu transportieren als vorgefertigte Teile, die erst andernorts gebaut werden müssen. Darüber hinaus ist der Kran innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit.

Das selbst gesteckte Ziel: "Die größte internationale Baufirma zu werden, um allen Menschen weltweit eine Behausung bieten zu können." Der nächste Schritt auf dem Weg dorthin ist bereits geplant. Auf einer Fläche von knapp 84.000 qm (mehr als zehn Fußballfelder) soll ein sogenanntes Öko-Dorf entstehen. Dafür will Apis Cor 100 bezahlbare Häuser bauen – beziehungsweise drucken3.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Leben immer informiert.

Auch interessant