Leben

Angst beim Autofahren: So bekommen Sie die Fahrangst in den Griff

von Sabrina Lieb

Fahrangst trifft nicht nur Anfänger – manche Situationen stressen auch geübte Fahrer. aio zeigt Ursachen und gibt Tipps gegen die Angst beim Autofahren.

Eine Frau verkrampft die Hände am Steuer.
Angst beim Autofahren: Manche haben ein wenig Stress in brenzligen Situationen – andere erleiden regelrechte Panikattacken. Foto: Shutterstock / Elena.Katkova

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich Fahrangst äußern kann und welche Formen es gibt
  • Wie einige Fahrschulen bereits gegen die Angst vorgehen
  • Welche Ursachen die Angst vor dem Autofahren hat
  • Wie Sie die Angst in den Griff bekommen – langfristig oder in akuten Situationen

Eine kilometerlange Baustelle verengt die Fahrbahn, der ungeduldige Hintermann fährt immer dichter auf oder aber der breite Laster vor einem versperrt die Sicht auf den weiteren Streckenverlauf. Angst beim Autofahren ist mehr als eine persönliche Befindlichkeit. Viele Autofahrer in Deutschland leiden regelmäßig unter Angstzuständen am Steuer. Bei manchen steigert sich die Angst beim Autofahren bis hin zu Panikattacken.

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Typische Anzeichen für die Angststörung sind eine enorme und ständige Anspannung beim Autofahren. Insbesondere in bestimmten Verkehrssituationen wie Autobahnen, Baustellen, Kreuzungen, Spurverschmälerungen, Überholmanöver oder Staus. Viele ängstliche Autofahrer nehmen dabei lieber Umwege in Kauf, als sich der Fahrt durch Tunnel, Brücken oder vermeintlich brenzlige Verkehrsszenarien auszusetzen.

Dabei gibt es zahlreiche Therapie-Möglichkeiten gegen Fahrangst und auch besonders geschulte Fahrschulen bieten mittlerweile eine gesonderte Betreuung bei Fahrangst an.

Die Erscheinungsformen der Fahrangst

Schweißausbrüche, beschleunigter Atem, Zittern, Herzrasen und die Panik vor Ohnmachtsanfällen – viele verschiedene Angstzuständen führen bei den Betroffenen zu ähnlichen Symptomen. Ob Sozialphobie, Agoraphobie (Platzangst), isolierte Phobien (die Angst vor bestimmten Dingen, beispielsweise Höhenangst oder Angst vor Spinnen) oder aber die sogenannte Amoxophobie – die Angst vor dem Autofahren.

Dabei sprechen Experten von zwei unterschiedlichen Fahrängsten:

  1. Bei der spezifischen Fahrangst bezieht sich die Angst auf Autos, beispielsweise als schwer zu kontrollierendes Fahrzeug oder als unberechenbare Maschine, oder aber vor dem Autofahren selbst. Dabei spielt auch die eigene Unsicherheit bzw. Überforderung in bestimmten Verkehrssituationen eine entscheidende Rolle
  2. Die unspezifische Fahrangst geht die Angst vor dem Autofahren aus anderen Ängsten hervor und tritt deshalb meist nur in bestimmten Situationen auf, die in Verbindung mit dem Autofahren stehen. Das kann beispielsweise die Enge im Auto sein, die hohe Geschwindigkeit während der Fahrt oder aber die mögliche Unfallgefahr. Dabei kann es sich auch um Angstsituationen handeln, in denen sich ein Autofahrer beim Fahren beobachtet oder bewertet fühlt, beispielsweise durch seine Beifahrer, und dabei Angst oder Scham empfindet

Verhaltenstherapien mit Schwerpunkt Angstbewältigung, Gesprächskreise mit Gleichgesinnten oder aber spezialisierte Fahrschulen können der Angst vor dem Autofahren jedoch schnell zu Leibe rücken und den Betroffenen das Leben viel einfacher machen.

Eine große Baustelle auf einer Straße in Berlin.
Viel Verkehr, Baustellen, Spurwechsel oder einfach nur unübersichtliche Situationen: Viele Menschen leiden unter Stress beim Autofahren. Foto: Shutterstock / Rainer Fuhrmann

Eine Fahrschule geht gegen die Angst an

Eine der Fahrschulen, die sich auf die Bewältigung von Fahrangst spezialisiert hat, ist die Fahrschule Winterhude in Hamburg. Sie sieht ihre Aufgabe im Aufspüren von Ursachen für Ängste und Stress, aber auch in der pädagogischen Aufarbeitung mitten im Straßenverkehr.

Nach einem persönlichen Gespräch arbeitet die fahrschule gemeinsam mit dem Fahrschüler ein genauen Plan aus, der bei der praktischen Bewältigung von Stress oder Angst beim Autofahren helfen kann. Dieses Programm ist pädagogisch fundiert, praktisch orientiert und individuell auf die Person zugeschnitten. Ziel ist es, dass Betroffene die Nervosität und Angst beim Autofahren bewältigen und Schritt für Schritt ihre angstauslösenden Situationen überwinden.

Unterstützend dabei kann auch eine kurzzeitige therapeutische Behandlung sein, bei der vor allem die Auseinandersetzung mit den quälenden Gedanken von Fahrangst ("ich könnte einen schlimmen Fehler machen", "es könnte ein schrecklicher Unfall passieren", etc.) im Vordergrund steht, aber auch der Umgang mit den körperlichen Symptomen von Angstzuständen. Nicht selten ist es nämlich so, dass Kinder von ängstlichen Autofahrern selbst mit einem Übermaß an Unsicherheit ins eigene Fahrleben starten und bestimmte Ängste im Straßenverkehr unbewusst übernommen haben.

Ursachen von Fahrangst

Bei einer Angstattacke durchjagt den Betroffenen geradezu ein Adrenalinsturm. Die Ursachen für Fahrangst können dabei vielfältig sein. Dennoch gibt es gerade bei der Fahrangst einige persönlichkeitsbedingte Ursachen, darunter

  • Die ständige Angst Fehler zu machen
  • Ein übertriebenes Verantwortungsgefühl
  • Der Fokus auf katastrophale Gedanken

aber auch

  • Durchlebte Unfälle, brenzlige Situationen oder "Fast-Unfälle"
  • Peinliche Vorfälle beim Autofahren
  • Achtlos geäußerte Kritik von Beifahrern
  • Ein stetig erhöhter Stresspegel in Situationen, die einen selbst überfordern

Tipps gegen Fahrangst

Wer regelmäßig unter Angst beim Autofahren leidet, ein angstauslösendes Ereignis im Straßenverkehr hatte oder eine Panikattacke am Steuer durchlebt hat, denkt oft, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Viele Betroffenen beginnen Vermeidungsstrategien. Bei manchen ist diese Strategie jahrelang erfolgreich, doch dadurch wird der Radius an Möglichkeiten immer enger. Wer Situationen vermeidet, übergibt der Angst das Zepter. Und nährt sie.

Was bei Fahrangst hilft, ist eine Konfrontation mit angstauslösenden Situationen. Wer beispielsweise nach einem Unfall unter einem schweren Verkehrstrauma leidet, kann das angstfreie Autofahren zunächst in der virtuellen Realität wieder neu erlernen. So gibt es beispielsweise am Institut für Arbeit und Gesundheit in Dresden ein Fahrsimulator, bei dem sich angstauslösende Situationen direkt programmieren und immer wieder durchfahren lassen.

Die Konfrontation mit angstauslösenden Situationen beim Autofahren hilft den Betroffenen, ihre Angst in den Griff zu bekommen, sie langsam zu verringern und im Anschluss das neu Gelernte auf die Straße zu übertragen. Der Simulator ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und des Verkehrssicherheitsrates.

In einigen Fällen werden die Kosten für den Fahrsimulator vom zuständigen Träger der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen, beispielsweise wenn ein Arbeitnehmer in der Arbeitszeit einen Autounfall hatte, durch dieses Ereignis eine Angst vor dem Autofahren entwickelt hat und der Fahrsimulator die Wiedereingliederung in den Beruf unterstützen soll.

Panikattacke am Steuer - was Betroffene in Akutsituationen tun können

Angstzustände sind übertriebene Stresssituationen des Körpers. Einige kleine Übungen können helfen, diesen Stress unter Kontrolle zu bringen.

Ein Autofahrer mit Sonnenbrille spiegelt sich im Rückspiegel.
Entspannt am Steuer: Wen eine Situation zu sehr aufregt, der kann mit einigen Übungen versuchen, sich wieder zu beruhigen. Foto: Shutterstock / Manu Padilla

Atmung

Über den Atem können Betroffene direkt Einfluss auf ihren Körper nehmen. Um wieder Ruhe zurückzugewinnen, tief in den Bauch einatmen und das Ausatmen verlängern. Der Atem kann bewusst verlängert werden, indem beispielsweise die Zunge leicht zwischen die Zähne geklemmt wird und die Luft über den Mund entweicht oder aber es wird beim Ausatmen ein "s" simuliert.

Progressive Muskelentspannung am Steuer

Dazu die Hände am Lenkrad kräftig anspannend und wieder lösen. Dabei den Fokus bewusst auf die Entspannung der Handmuskeln lenken. So lange wiederholen, bis sich die Entspannung allmählich auf den restlichen Körper überträgt.

Positive Gedanken

"Achte auf deine Gedanken, denn deine Gedanken formen deine Welt": Wiederholung von positiven Glaubenssätzen, die sich entlastend auf die Stresssituation auswirken. Beispielsweise "Ich bin ruhig und entspannt" oder "Ich nehme mir Zeit".

Updates

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Langsam fahren

Nicht immer zur Freude der anderen Autofahrer, aber: Es ist im Straßenverkehr auch erlaubt, langsamer zu fahren. Wichtig bei einer Panikattacke am Steuer ist, nicht ständig besorgt in den Rückspiegel zu schauen und dadurch das Stresserleben gar noch zu erhöhen, sondern sich zu erlauben, sich jetzt um sich selbst zu kümmern.

Und auch Berufspendler können ihren Stress am Steuer in den Griff bekommen. Wie das funktioniert, lesen Sie ebenfalls bei aio.

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