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Leben

Alles eine Frage der Kosten: Elektroauto oder Verbrenner?

von Leonie Butz

Immer mehr Elektroautos kommen jetzt auf den Markt. Aber was ist mit den Kosten - können die neuen Modelle bald mit Verbrennern mithalten?

Alles eine Frage der Kosten: Elektroauto oder Verbrenner?
Kunstwerk: Der klassische Verbrennungsmotor hat die Welt mobil gemacht. Jetzt kommt auch der Elektromotor in Fahrt. Foto: Unsplash/cakirchoff

Das erfahren Sie gleich:

  • Elektroauto gegen Verbrenner: Welche Kosten beim E-Auto noch höher sind und wo es auf der anderen Seite spart
  • Lademöglichkeiten an der Mietwohnung
  • Ist das Elektroauto inzwischen massentauglich – oder immer noch mehr etwas für Vordenker und Visionäre?

Hohe Kosten, nichts für die Mietwohnung

Soll ich mir ein Elektroauto kaufen? Oder doch noch beim Verbrenner bleiben? Unschlüssig sitze ich an meinem Laptop und durchforste alle möglichen Webseiten nach der Antwort auf mein Problem. Ich fahre regelmäßig rund 600 Kilometer durch Deutschland, um meine Familie zu besuchen. Ich benötige also ein Auto mit hoher Reichweite. Außerdem wohne ich in einer Mietwohnung ohne Garage. Das Auto vor dem Haus zu laden, fällt damit für mich flach.

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Solche oder ähnliche Überlegungen stellen heute sicher viele an. Einige überlegen, ob ein elektrischer Zweitwagen vielleicht sinnvoll ist – nur für die Stadt. Fakt ist jedoch, dass das Elektroauto neben vergleichbaren Verbrenner-Modellen noch immer zwischen 15 und 40 Prozent mehr kosten.

Fakt ist aber auch, dass das E-Auto um einiges günstiger ist in der Wartung. Das liegt vor allem daran, dass die Mechanik geringer verschleißt. Die Bremsen zum Beispiel halten dank der Rekuperation, also der Energierückgewinnung beim Brems- und Anfahrvorgang, deutlich länger als beim Verbrenner. Meist müssen die Bremsen beim Elektroauto wegen Rost und nicht wegen Verschleiß gewechselt werden, sagt Christian Hieff vom ADAC. Und auch die Steuerbefreiung für die nächsten zehn Jahre ist sicherlich ein netter finanzieller Anreiz. Bisher, so meint Hieff, lassen sich die Anschaffungskosten aber in keinem Fall wieder reinholen – selbst mit der günstigen Steuerlage sei das nicht möglich.

Die Ladesäulendichte ist in Deutschland noch sehr mau.

Bei der Reichweite tut sich momentan einiges. Nicht nur die preisliche Oberklasse bietet immer größere Reichweite für seine Autos. Auch kleine Wagen versprechen Reichweiten von bis zu 500 Kilometern. Durch halb Deutschland schafft man es damit nicht, aber mit nur einem Stopp an einer Schnellladesäule sollte die Fahrt machbar sein. Bleibt aber noch immer das Problem mit der Mietwohnung. Visionäre Start-ups, wie Ubitricity, arbeiten bereits genau an diesem Problem. Ihre Lösung: Strom an der Straßenlaterne abzapfen. Die Idee ist wirklich super, es wird aber sicher noch einige Zeit dauern, bis dieses oder ähnliche Projekte für jedermann zugänglich sind. Die Ladesäulenlandschaft, so hat jüngst eine Studie des Center Automotive Research (CAR) an der Uni Duisburg-Essen gezeigt, ist in Deutschland grundsätzlich noch sehr mau.

Hohe Kosten, nichts für die Mietwohnung
Elektroauto und Mietwohnung: Derzeit sind die Lademöglichkeiten noch recht begrenzt, mit den Förderungen der Bundesregierung sollte sich in dem Bereich aber in nächster Zeit viel tun. Foto: Pixabay/ karlherl

Und auch bei der preislichen Entwicklung tut sich etwas: Experten schätzen, dass zwischen 2020 und 2025 der Ausgleich in den Kosten für die Anschaffung kommen wird. John Gartner, leitender Forscher beim Marktforschungsunternehmen Navigant Research, schätzt den Wendepunkt auf 2022. Dann, so denkt er, wird das Elektroauto günstiger als der Verbrenner. Diese Einschätzung deckt sich mit den Einschätzungen von Christoph Gelzer von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, der den Wendepunkt jedoch eher um 2025 verortet. Dann, so seine Einschätzung, wird ein regelrechter Elektromobilitäts-Boom auf die Wirtschaft zukommen.

Ein Auto für Vordenker und Visionäre

Aber bereits heute bringen die Elektroautos einige Vorteile mit sich: Besonders in Städten können die lokal emissionsfreien Autos Lärm und Feinstaubbelastung deutlich senken. Für den Stadtverkehr – in dem Reichweitenangst ein Fremdwort ist – sind die Autos also bereits jetzt sehr gut geeignet. Aber es muss sich noch einiges tun: Neben Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien muss auch stärker über eine Zweitverwertung und das Recycling von alten Batterien nachgedacht werden.

Für Vordenker ist das Auto aber sicherlich auch auf längeren Strecken die richtige Wahl.

Das Elektroauto, so sagt Christian Hieff, ist derzeit noch das Auto für Visionäre und Idealisten – wie auch der Vater der modernen Elektromobilität selbst, Elon Musk, einer ist. Aber haben nicht alle großen Entwicklungen so angefangen? Man denke an die Digitalkamera: Als die Technik in den 70er Jahren erstmals aufkam, glaubte keiner an deren Überleben. Die Fotos waren schlechter, die Kosten für die Kameras sehr viel höher als bei herkömmlichen Geräten – es sprach also nichts für die neue Technik. Mit verbesserter Technik und konkurrenzfähigen Preisen eroberte die Digitalkamera aber den Markt für sich. Am Anfang einer ähnlichen Entwicklung, so glauben Experten, befindet sich die Gesellschaft gerade. In jedem Fall ist die Anschaffung eines Elektroautos noch nicht günstig. Für Vordenker ist das Auto aber sicherlich auch auf längeren Strecken die richtige Wahl.

Ich sehe mich ja gerne als Vordenkerin – so ein bisschen Hipster à la: "Ich mochte X schon, bevor es cool war." Und die Idee vom Elektroauto fasziniert mich unglaublich – keine Emissionen, bessere Umwelt-Bilanz und endlich kein Lärm mehr auf den Straßen. In meiner Mietwohnung direkt an einer vielbefahrenen sechsspurigen Hauptstraße sind das tatsächlich sehr wichtige Argumente. Nur leider habe ich dort keine Lademöglichkeit. Deshalb warte ich mit dem Kauf eines E-Autos noch ab, bis die Infrastruktur bei mir vor der Haustür besser ist – oder bis ich umgezogen bin.

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