Elektromobilität

Akkus rein und los: Energie zum Einstecken

von Leonie Butz

Bis die Akkus eines E-Bikes wieder aufgeladen sind, dauert es noch immer ziemlich lange. Jetzt bringen Tausch-Akkus Bewegung in die Sache.

Akkus rein und los: Energie zum Einstecken
Wenn dem E-Bike der Saft ausgeht, heißt es selbst strampeln – oder die Akkus tauschen. Foto: Unsplash/davidmarcu

Das erfahren Sie gleich:

  • Akkus fürs E-Bike oder den Elektroroller könnten wir zukünftig wechseln wie die Batterien in der Fernbedienung
  • Für ein solches System gewann ein Unternehmen aus Schwaben den Green Tech Award
  • Im April 2018 soll das erste E-Bike mit Austausch-Akku auf den Markt kommen

Energie – zuhause und unterwegs

Sonntagmorgen. Schnell aufs E-Bike und ab zum Bäcker. Also in die Garage und los. Oder auch nicht – der Akku ist leer. Jetzt hilft nur selbststrampeln. Oder den Akku des Bikes tauschen. Tauschen? Genau. Einfach im Keller ein Modul aus der Solar-Speicheranlage nehmen, und schon hat das Rad wieder Saft.

Der Akkuwechsel wird so einfach wie der Tausch von Batterien.

Dank einer neuen DIN-Norm, die Anschlüsse für Batteriewechselsystemen bei Elektroleichtfahrzeugen ab 2018 normieren soll, könnte diese Szene zukünftig möglich sein. Denn sind die Anschlüsse erst einmal vereinheitlicht, lassen sich die Akkus in unterschiedlichste Systeme stecken – ähnlich wie klassische Batterien. Etwa ins E-Bike, den Elektroroller, die Motorsäge und den Rasenmäher; oder eben zuhause als Speicher für die heimische Solaranlage. Ein solches System entwickelte die Unicorn Energy GmbH aus Schwäbisch Gmünd: Die Energy Tubes. Optisch einer herkömmlichen Batterie ähnlich, sind die einzelnen Module ungefähr so groß wie eine 0,5-Liter-Flasche, rund 650 Gramm schwer und mit einer Speicherkapazität von 100 Wattstunden ausgestattet. Reicht die Speicherkapazität nicht mehr für den Gebrauch im Haus oder in den einzelnen Geräten, ist eine Zweitverwertung in Windrädern geplant. 2015 gewann das Unternehmen mit der Idee von den austauschbaren, recycelbaren Akkus den Green Tech Award – 2017 gingen die Energy Tubes in die Massenproduktion.

Akkus tauschen, statt sie zu laden

Aber wie arbeiten die Module? Ganz simpel gesagt: Die Tubes sind miteinander vernetzte Batterien, die kommunizieren und eine Art Schwarmintelligenz besitzen. Wie bei einer Lichterkette am Weihnachtsbaum fällt so die Energie nicht aus, wenn ein einzelnes Modul nicht funktioniert – beziehungsweise leer ist. Per Datenübertragung via Nahfeldkommunikation (NFC) lassen sich die Module mit einem Smartphone oder Tablet ansteuern, um den benötigten Energiefluss einzustellen. Der Nutzer kann aber auch Informationen wie die verbleibende Energie ablesen. Für ein E-Bike etwa braucht ein Nutzer ein bis zwei Tubes, für eine Solaranlage lassen sich die Module zu einem Energiespeicher zusammenstecken, der den gesamten Jahresverbrauch – durchschnittlich 6.400 kWh – decken könnte. Das Zusammenstecken, so versprechen die Entwickler, ist dank des Magnetstecksystems so simpel, dass für den Aufbau keine Vorkenntnisse erforderlich sind.

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Akkus tauschen, statt sie zu laden
Die Energy Tubes der Unicorn Energy GmbH lassen sich wie herkömmliche Akkus tauschen und wiederaufladen. Foto: Unicorn Energy GmbH

Ab April 2018 sollen die Energy Tubes in einem E-Bike auf den Markt kommen.

Aber Moment, auswechselbare Akkus für den Elektromobil-Markt? Das haben doch schon andere versucht. Mit Better Place stellte das gleichnamige israelische Start-up 2013 eine Idee vor, bei der Akkus an öffentlichen Stationen unterwegs ausgewechselt werden sollten: den eigenen leergefahrenen Akku raus, einen vollgeladenen rein. Das System scheiterte jedoch unter anderem an den Bedenken der Autobesitzer, die ihren eigenen Akku nicht gegen einen fremden tauschen wollten. Und auch Tesla hat jüngst ein solches Konzept vorgestellt – noch immer steht aber sicherlich die Skepsis der Auto- und Batteriebesitzer im Weg.

Anders als bei den Auto-Akkus bietet ein Modulsystem wie die Energy Tubes jedoch die Möglichkeit, ein eigenes Wechsel-Sixpack immer verfügbar zu haben. Ab April 2018 sollen die Energy Tubes in einem E-Bike auf den Markt kommen. Wer schon vorab mit den Systemen arbeiten will, der kann die Akkus bereits mit einem Developer Kit eigenständig verbauen. Bis Weihnachten 2017 sollen 30.000 der Energy Tubes verfügbar sein. In einem nächsten Entwicklungsschritt sollen Speicher-Module mit doppelter Kapazität entstehen, die die mobile Nutzung noch attraktiver machen. Die Entwickler planen auch Schnellladestationen für die Module. Dann könnten die Energy Tubes auch als Energie-Lieferant in Krankenwagen oder in elektrischen Kleinstwagen zum Einsatz kommen.

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