Elektromobilität

Akkus rein und los: Energie zum Einstecken

von Leonie Butz

Die Akkus eines E-Bikes aufzuladen, dauert noch immer ziemlich lange. Tauschakkus könnten die Lösung sein und quasi für unbegrenzte Energie sorgen.

Akkus rein und los: Energie zum Einstecken
Wenn dem E-Bike der Saft ausgeht, heißt es selbst strampeln – oder die Akkus tauschen. Foto: Unsplash/davidmarcu

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum in Berlin Automaten mit Wechselakkus zum Tauschen einladen
  • Wie GreenPack mit seinen Tauschakkus für nahezu unbegrenzt Energie sorgt
  • Warum ähnliche Konzepte bislang scheiterten – und was Autobesitzer damit zu tun haben

Die heutige Elektromobilität hat noch mit einem großen Problem zu kämpfen: Elektroautos, E-Bikes und elektrische Motorräder brauchen zum "Tanken" von Strom länger als Verbrenner mit Benzin oder Diesel. Zwar verkürzen Schnellladesäulen die Wartezeit, so flott wie an der Zapfsäule geht es aber dennoch nicht.

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Eine mögliche Lösung für das Problem: Wechselakkus. Sie lassen sich ganz einfach nach Bedarf aus den Fahrzeugen nehmen und aufladen. Bei Elektrorollern gibt es solche Batterien bereits. Wer immer genug Saft haben will, braucht jedoch mindestens zwei der teuren Akkus. Unternehmen wie GreenPack und Unicorn Energy planen dafür Alternativen.

GreenPack: Akku tauschen statt laden

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet bereits an einer Norm, die Anschlüsse für Batteriewechselsysteme bei Elektroleichtfahrzeugen wie E-Scooter oder Elektroroller vereinheitlichen soll. Denn sind die Anschlüsse erst einmal vereinheitlicht, lassen sich die Akkus in unterschiedlichste Systeme stecken, ähnlich wie klassische Batterien, etwa ins E-Bike, den Elektroroller, die Motorsäge und den Rasenmäher – oder eben zuhause als Speicher für die heimische Solaranlage.

Ein solches System entwickelt das junge Unternehmen GreenPack aus Berlin. Das gleichnamige Produkt ist ein wechselbarer Akku für zahlreiche Geräte. Die Ladung stammt dabei zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Der Clou: Die Ausgabe der Batterien erfolgt durch einen Verkaufsautomaten, sogenannten Sharing Points. Die erinnern optisch etwas an die Packstationen von DHL – nur eben im XS-Format.

Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Die Mobilitätslösungen für einen ökologischen und ökonomischen Transport sind da. Sie müssen nur noch angewendet werden.

Thomas Duscha, zuständig für Business Development bei GreenPack

Dort ziehen sich Kunden in wenigen Sekunden einen vollständig geladenen Akku im Tausch gegen den leeren. Zum Start einer ersten Probephase des Systems stattet GreenPack eine Flotte von E-Lastenfahrrädern sowie kleinere Elektrofahrzeuge mit den Akkus aus und stellt Tausch-Automaten an fünf Standorten in Berlin auf. Später sollen viele weitere elektrische Geräte von dem Service profitieren und das Angebot über Berlin hinaus angeboten werden.

Auch Unicorn Energy setzt auf modulare Akkus

Auch die Unicorn Energy GmbH aus Schwäbisch Gmünd arbeitet an Wechselakkus: den Energy Tubes. Optisch einer herkömmlichen Batterie ähnlich, sind die einzelnen Module ungefähr so groß wie eine 0,5-Liter-Flasche, rund 650 Gramm schwer und mit einer Speicherkapazität von 100 Wattstunden ausgestattet.

Reicht die Speicherkapazität nicht mehr für den Gebrauch im Haus oder in den einzelnen Geräten, ist eine Zweitverwertung in Windrädern geplant. 2015 gewann das Unternehmen mit der Idee von den austauschbaren, recycelbaren Akkus den Green Tech Award – 2017 gingen die Energy Tubes in die Massenproduktion.

Aber wie arbeiten die Module? Ganz simpel gesagt: Die Tubes sind miteinander vernetzte Batterien, die kommunizieren und eine Art Schwarmintelligenz besitzen. Wie bei einer Lichterkette am Weihnachtsbaum fällt so die Energie nicht aus, wenn ein einzelnes Modul nicht funktioniert – beziehungsweise leer ist.

Per Datenübertragung via Nahfeldkommunikation (NFC) lassen sich die Module mit einem Smartphone oder Tablet ansteuern, um den benötigten Energiefluss einzustellen. Der Nutzer kann aber auch Informationen wie die verbleibende Energie ablesen.

Akkus tauschen, statt sie zu laden
Die Energy Tubes der Unicorn Energy GmbH lassen sich wie herkömmliche Akkus tauschen und wiederaufladen. Foto: Unicorn Energy GmbH

Für ein E-Bike etwa braucht ein Nutzer ein bis zwei Tubes, für eine Solaranlage lassen sich die Module zu einem Energiespeicher zusammenstecken, der den gesamten Jahresverbrauch – durchschnittlich 6.400 kWh – decken könnte. Das Zusammenstecken, so versprechen die Entwickler, ist dank des Magnetstecksystems so simpel, dass für den Aufbau keine Vorkenntnisse erforderlich seien.

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Die Idee ist kein Erfolgsgarant

Aber Moment, auswechselbare Akkus für den Elektromobil-Markt? Das haben doch schon andere versucht. Mit Better Place stellte das gleichnamige israelische Start-up 2013 eine Idee vor, bei der Akkus an öffentlichen Stationen unterwegs ausgewechselt werden sollten: den eigenen leergefahrenen Akku raus, einen vollgeladenen rein.

Das System scheiterte jedoch unter anderem an den Bedenken der Autobesitzer, die ihren eigenen Akku nicht gegen einen fremden tauschen wollten. Und auch Tesla hat jüngst ein solches Konzept vorgestellt – dem aber weiterhin die Skepsis der Auto- und Batteriebesitzer im Weg steht.

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