Elektromobilität

Akku wechseln statt laden – ist das die Lösung?

von Leonie Butz

Elon Musk will offenbar zukünftig die Akkus von Elektroautos nicht mehr laden, sondern wechseln. Ein riskantes Konzept, das bereits 2013 in Israel fehl schlug.

Akku wechseln statt laden – wie jetzt?
Einstöpseln und erst mal warten, so sah bisher der Boxenstopp für ein Elektroauto aus. Wechseln statt Laden könnte aber die Zukunft sein. Foto: CC0: Pixabay/WikiMediaImages

Das erfahren Sie gleich:

  • Das Laden des Akkus braucht selbst mit Schnelladestation sehr viel länger als ein regulärer Tankstopp
  • Den Akku komplett zu wechseln, das ginge sehr viel schneller
  • Die Idee hatte vor Elon Musk bereits ein anderer Visionär – und ist damit gescheitert

Akku wechseln – sieht aus wie ein TÜV-Check

Vorsichtig das Auto auf die beiden Führungsschienen lenken. Zwischen ihnen ist nichts – wie beim TÜV-Check auf der Hebebühne. Die Plattform bewegt sich nach oben, von unten tauscht das System den Akku aus. Nach einigen Minuten geht es auch schon wieder abwärts, und die Fahrt kann weitergehen. So stellt sich Elon Musk offenbar die Zukunft der Elektromobilität vor. Denn ein Patent, das der Tesla-Gründer vor einiger Zeit beim US-Patentamt einreichte, zeigt genau das: Eine Hebebühne für das Elektroauto, die den Akku auswechselt.

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Fraglich bleibt, ob Kunden bereit sind, ihren Akku abzugeben und einen anderen, möglicherweise sehr viel stärker abgenutzten zu erhalten.

Die Idee dahinter ist klar: Das Laden an herkömmlichen Stationen für Elektroautos dauert vielen Nutzern zu lange. Sie hadern nicht etwa nur mit den wirklich langsamen Stationen, die bis zu 24 Stunden für eine volle Ladung benötigen. Selbst bei Schnellladestationen dauert es noch rund eine halbe Stunde, bis der Akku wieder voll ist. Das schreckt viele Autofahrer noch immer davon ab, sich für ein Elektroauto zu entscheiden.

Tesla setzt auf Wechseln statt Laden

Und da kommt die Hebebühne ins Spiel, die innerhalb von wenigen Minuten den Akku eines Elektroautos austauschen soll. Das klingt im ersten Moment logisch – hat aber so einige Haken. Fraglich bleibt, ob Kunden bereit sind, ihren Akku an den Stationen abzugeben und dafür einen anderen, möglicherweise sehr viel stärker abgenutzten Akku zu erhalten. Eine weitere Frage ist, ob sich das Konzept lohnt, wenn selbst von Tesla nur das Model S und das Model X die Stationen nutzen können. Denn für das System muss der Akku an der Unterseite des Fahrzeugs befestigt und leicht zu wechseln sein. Das ist etwa beim Model 3 nicht der Fall.

Tesla setzt auf Wechseln statt Laden
Bisher dauert das Laden von Elektroautos an Stationen noch verhältnismäßig lange. Aber ist das Akku-Wechseln eine Lösung? Foto: CC0: Pixabay/ssarwas0

Ein Modell des Scheiterns?

Ein ganz ähnliches Problem hatte ein israelisches Start-up, das 2013 mit einer fast identischen Idee triumphal scheiterte. Better Place hieß das Unternehmen und wollte unter dem Geschäftsführer Schai Agassi die Elektromobilität revolutionieren: Für rund 80 Millionen Euro baute Agassi in Israel Wechsel-Stationen wie die von Musk. Das Problem war aber, dass sich nur ein einziger Autohersteller zu einer Zusammenarbeit bereit erklärte – und das nur mit einem einzigen Automodell. Der Kauf-Boom blieb aus, und die wenigen Akkus im Umlauf verschlissen viel zu schnell. Experten kritisierten damals vor allem das schlechte Geschäftsmodell von Better Place und das fehlende Kapital für ein solches Mammutprojekt. An diesen beiden Ressourcen sollte Musks Modell wohl nicht scheitern. Ob Kunden die Wechsel-Stationen annehmen, das bleibt jedoch noch abzuwarten.

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