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Elektromobilität

Akku im Elektroauto: Wie alte Batterien weiter nützlich sind

von Roland Kontny

Was passiert mit dem ausgedienten Akku eines Elektroautos? Recycling ist teuer und aufwändig. Darum sollen alte Akkus in stationären Anlagen weiter leben.

Nahaufnahme einer Ladesäule am Straßenrand, neben der ein Auto parkt.
Zweites Leben: Alte Akkus von Elektroautos können zum Beispiel in abgelegenen Gebieten Energie für Ladestationen speichern. Foto: Shutterstock/MagicPitzy

Das erfahren Sie gleich:

  • So lange hält ein Akku normalerweise
  • So sind alte Akkus weiter nützlich
  • So hoch ist das Einsparpotential bei den Akkus
  • So viele Akkus könnten getauscht werden

So lange hält ein Akku normalerweise

Der Akku ist beim Elektroauto von besonderem Gewicht: Er ist das schwerste Einzelbauteil, von ihm hängt die Reichweite ab. Und wenn er eines Tages nicht mehr genug elektrische Energie speichert, muss er getauscht werden.

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In der Regel garantieren Autohersteller mittlerweile, dass die Kapazität, also Speicherfähigkeit, frühestens nach acht Jahren auf unter 70 bis 80 Prozent sinkt und erst dann ein neuer Akku fällig wird. Übrigens ein wichtiger Hinweis für alle, die überlegen, sich ein Elektroauto gebraucht zu kaufen.

Die Rohstoffe lassen sich nicht ohne weiteres aus den Akkus herauslösen. Das macht das Recycling schwierig.

Doch wohin passiert mit den ausgebauten Batterien? Kann man die nicht einfach zum Recycling geben? Da gibt es zwei Probleme.

Zum einen besteht ein Akku aus Materialien wie Lithium und Kobalt, die problematisch für die Umwelt sind.

Zum anderen sind es wertvolle Rohstoffe, die unter großem Energieaufwand hergestellt wurden. Sie lassen sich aus modernen, komplexen Akkus nicht ohne Weiteres wieder einzeln herauslösen, was das Recycling schwierig und teuer macht. Hier liegt eines der Probleme der Elektromobilität.

So sind alte Akkus weiter nützlich

Die einhellige Antwort vieler Entwickler diverser Hersteller sowie unabhängiger Forschungseinrichtungen: Die Akkus aus dem Elektroauto sollen nach der Zeit im Fahrzeug ein zweites Leben geschenkt bekommen. Man spricht darum auch vom „second life“ eines Fahrzeug-Akkus. Und das kann ganz unterschiedlich aussehen, wie folgende Beispiele zeigen:

Die Unternehmen Bosch, Vattenfall und BMW starteten 2016 im Hamburger Hafen ein Großprojekt mit mehr als 100 ausgedienten E-Auto-Akkus. Der Speicher hatte eine Kapazität von zwei Megawatt und dient dazu, das Stromnetz kurzfristig zu stabilisieren und Schwankungen auszugleichen.

Alte Fahrzeug-Akkus könnten schon bald ein wichtiger Baustein des Energiewandels sein.

Diese Schwankungen werden insbesondere durch die vermehrte Einspeisung von Wind- und Solarstrom hervorgerufen, weil diese sich nicht so exakt steuern lassen wie etwa der Betrieb eines Kohlekraftwerks. Kaum zu glauben: Alte Fahrzeug-Akkus könnten schon bald ein wichtiger Baustein des Energiewandels sein.

Ein anderer Einsatzzweck sind lokale Stromspeicher industrieller Anlagen. So können beispielsweise an einen Fertigungsbetrieb angeschlossene Windparks Strom in einem Alt-Akku-Speicher einspeisen, anstatt sie in das Netz abzugeben. Liefert die Windkraft zeitweise weniger Strom als benötigt, gleicht der Speicher das Defizit aus.

Auf einem grünen Feld stehen 10 Windkraftanlagen.
Windkraftanlage: Ausgediente Akkus können auch den Strom von Windfarmen speichern und so Schwankungen ausgleichen. Foto: Unsplash/Karsten Würth

Renault will die portugiesische Insel Porto Santo zu einer „Elektroinsel“ machen. Dazu gehört auch, vor Ort überschüssig erzeugten Ökostrom sowohl in den zunächst 20 eingesetzten E-Fahrzeugen, als auch in Second-Life-Speichern einzuspeisen, um sie bei Bedarf daraus wieder abzurufen. Die Insel hat etwa 42 Quadratkilometer Fläche und 6000 Einwohner.

Unter dem Namen E-STOR hat Renault zudem zwei Schnellladesäulen in Belgien und Deutschland an Orten installiert, an denen eigentlich kein Starkstromanschluss zu vertretbaren Kosten herzustellen gewesen wäre.

Die Second-Life-Speicher vor Ort werden bei niedriger Spannung langsam geladen, während sie aber an die Ladestation über das Batteriemanagement Starkstrom abgeben. So könnte künftig auch an abgelegenen Orten Schnellladesäulen zu vertretbaren Kosten entstehen.

Jaguar hat angekündigt, die ausgedienten Energiespeicher seines neuen E-Modells I-Pace als stationäre Energiespeicher ebenfalls ein zweites Leben zu schenken.

Auch am Einsatz als Speicher in Privathäusern arbeiten gleich mehrere Anbieter. Das Ziel: Vor Ort erzeugter Ökostrom, zumeist aus Photovoltaik-Anlagen, soll gespeichert und dann zu einem anderen Zeitpunkt vor Ort verbraucht werden.

Ein Renault Zoe steht auf der Insel Porto Santo vor einem Windrad.
Diese Insel soll zur Elektroinsel werden: Porto Santo (Portugal) speichert Ökostrom in alten Akkus aus Elektroautos. Foto: Renault

So hoch ist das Einsparpotential bei den Akkus

Statt acht Jahre im Auto sollen die Akkus so bis zu 20 Jahre im Einsatz sein, ehe sie tatsächlich recycelt werden müssen. Das verbessert sowohl die Ökobilanz als auch die Wirtschaftlichkeit entsprechender Anlagen gegenüber dem Einsatz neuer Akkus.

So liegt das CO2-Einsparpotenzial diesbezüglich zwischen 30 und 106 Kilogramm je Kilowattstunde Kapazität, so eine Studie des „Schaufenster Elektromobilität“, ein Zusammenschluss der Forschungsstelle Energiewirtschaft und der TU München.

Auch ökonomisch rechnet sich laut dieser Studie der stationäre Einsatz der Alt-Akkus. Hier beträgt der Spareffekt zwischen 26 und 33 Prozent. Das ist wichtig: Nur, wenn kommerzielle Anwendungen möglich sind, investieren Technologieunternehmen in die Entwicklung und Vermarktung entsprechender Produkte.

So viele Akkus könnten getauscht werden

Der Anfang dazu ist auf jeden Fall gemacht. Für die Entwicklung größerer Anwendungen fehlt es aus Sicht der Innovatoren auf diesem Gebiet nicht an Ideen – sondern an ausgedienten Akkus aus Elektroautos.

Per 1. Januar 2018 waren auf unseren Straßen 53.861 E-Autos zugelassen, die zum Teil noch Jahre vom Akkutausch entfernt sind. Die Zahl verfügbarer alter Stromspeicher ist entsprechend überschaubar.

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Sollten es aber eines Tages tatsächlich die von der Bundesregierung eigentlich für 2020 angekündigten eine Million Elektroautos sein, würde das bei einer durchschnittlichen Haltbarkeit von acht Jahren immerhin 125.000 getauschte Akkus jährlich bedeuten.

Das wären mehr als genug, um sämtliche Energie für die erwähnte nötige Stabilisierung des Stromnetzes im ganzen Land zu sorgen.

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