Leben

Agiles Arbeiten – das Ende des Home Office?

von Sabrina Lieb

IBM holt seine Mitarbeiter zurück ins Büro – weil moderne Arbeit Schulter an Schulter stattfinden müsse. Verlieren viele Angestellte jetzt ihre Freiheiten?

Orange-weißer Sessel mit Kissen
Home sweet home: Im Home Office bequem vom Sessel aus arbeiten - das könnte durch agiles Arbeiten bald wieder vorbei sein. Foto: Unsplash/Tim Wright

Das erfahren Sie gleich:

  • Home-Office-Vorreiter IBM will seine Mitarbeiter wieder im Büro sehen
  • Agile Methoden wie Scrum sollen persönliche Präsenz im Büro erfordern
  • Dabei ist Home Office für viele Mitarbeiter ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit

IBM war Vorreiter beim Home Office

1980 war IBM der Vorreiter des Home Office. Dem Trend, Mitarbeiter zuhause arbeiten zu lassen, folgten viele Unternehmen. Bis heute erfreut es sich bei Arbeitnehmern großer Beliebtheit. Von zuhause aus zu arbeiten ist grundsätzlich auch eine gute Idee: Kurze Arbeitswege, kein morgendliches Verkehrschaos oder menschenüberfüllte öffentliche Verkehrsmittel. Dort arbeiten, wo man sich wohl fühlt. Kurz: Home Office macht glücklich. Doch fast vier Jahrzehnte später verlässt der Softwarekonzern nun seine Pionier-Route. Rund 2600 Mitarbeiter sollen zurück in ihre Büros. Und das liegt an einem anderen Trend: Agiles Arbeiten.

Kreativität nur im Büro?

Folgt man der Vision der IBM-Marketingchefin, so findet die Zukunft der Arbeit nur noch „Schulter an Schulter“ statt. So zumindest an den sechs zentralen Standorten in den USA. Das verkündete Michelle Peluso ihren Mitarbeitern jüngst per Video-Botschaft. Die Zutaten fürs Erfolgsrezept laut Peluso: Eine Mission, die richtigen Werkzeuge, großartige Menschen, die kritische Analyse des eigenen Handelns sowie „wirklich kreative und inspirierende Arbeitsplätze“. Und die gebe es im Büro.

Heimarbeit war eine großartige Strategie für die Achtziger- und Neunzigerjahre.

Kurzum: Das Ende des Home Office naht. „Heimarbeit war eine großartige Strategie für die Achtziger- und Neunzigerjahre“, sagt John Sullivan laut dem Portal "Quartz". Für unsere heutige Zeit sieht der Management-Professor von der San Francisco State University eine persönliche, direkte Zusammenarbeit als den Schlüssel für Innovation.

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Coole neue Arbeitswelt: Manche Unternehmen holen ihre Mitarbeiter aus dem Home Office wieder ins Büro - weil sie glauben, das nur direkte Zusammenarbeit kreative Ergebnisse hervorbringt. Foto: Photo by Nastuh Abootalebi on Un

Agiles Arbeiten ist mehr als Scrum

Agiles Arbeiten wird oft mit Methoden wie Scrum oder Kanban in Verbindung gebracht. Grundsätzlich geht es aber auch darum, dass die Details der auszuführenden Arbeiten nicht zentral geplant werden, sondern von den Teams selbst. Mitarbeiter agiler Teams müssen fachübergreifend und cross-funktional zusammenarbeiten können. Im Vordergrund stehen Transparenz, Wissensteilung, Präsenz und Arbeitsoptimierung durch konsequente Feedbackschleifen. Ein Einzelner bekommt mehr Verantwortung für sein Tun. Das kann den positiven Nebeneffekt haben, dass dies gerade leistungsstarke Mitarbeiter weiter motiviert. Die Mitarbeit in agilen Projekten wird von Hochqualifizierten häufig als Anerkennung verstanden und als Vertrauensbeweis in die eigenen Fähigkeiten – egal ob er nun mit Scrum arbeitet oder einer anderen agilen Methode.

Der eine Trend führt zum Ende des anderen

Bei aller Progressivität sollte Agilität allerdings nicht unterschätzt werden: Sie ist explosiv, entfaltet Kraft, weckt Emotionen und Engagement. Sie bringt Dynamik und Aktivität mit sich, die von einem Unternehmen erst einmal aufgefangen werden müssen. Und manche Firmen wie IBM glauben, dass das nur im Büro geht – und nicht, wenn sich die einzelnen Teammitglieder im Home Office befinden und nur über elektronische Kanäle kommunizieren. Der direkte Austausch ist für solche Firmen also wichtiger, als es die Vorteile des Home Office für die Mitarbeiter sind. Und so führt der eine Trend (agiles Arbeiten) womöglich zum Ende des anderen Trends – nämlich dem Home Office.

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