Elektromobilität

ABS für E-Bikes: So funktioniert das neue Bremssystem von Bosch

von Hannes Rügheimer

Das Antiblockiersystem ABS erreicht den Fahrradmarkt. Speziell E-Bikes mit ihren hart zupackenden Scheibenbremsen könnten so sicherer im Handling werden.

Aus der Fahrerperspektive ist das Vorderrad eines E-Bikes mit einem großen Tacho fotografiert.
Moderne Bremsen können E-Bikes extrem stark verzögern. Das ABS soll dafür sorgen, dass sie dabei stabil bleiben. Foto: Bosch

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum immer bessere Bremsen beim Fahrrad wieder neue Probleme schaffen
  • Wie das Antiblockiersystem fürs E-Bike funktioniert und was der Unterschied zwischen Vorderrad-ABS und Hinterrad-ABS ist
  • Was E-Bike-Fahrer selber tun können, um blockierende Räder zu vermeiden

Es scheint paradox: Hydraulische Scheibenbremsen an Fahrrädern und E-Bikes sind in den vergangenen Jahren immer leistungsfähiger geworden. Das verbessert einerseits die Verkehrssicherheit, macht andererseits aber auch wieder Probleme. Denn gerade ungeübte Fahrer haben vor den hart zupackenden Bremsen großen Respekt.

Wer schon mal erlebt hat, dass sich das Rad bei einer Vollbremsung aus voller Fahrt fast überschlägt oder zumindest massiv an Fahrstabilität einbüßt, wird die Bremse in Zukunft nur noch vorsichtig dosieren. Doch das ist auch nicht im Sinne des Erfinders.

Für dieses Dilemma hat Bosch nun eine Lösung vorgestellt. Der Zulieferer, der neben der Automobilbranche beispielsweise auch Komponenten für E-Bikes fertigt, bietet das erste Antiblockiersystem für Pedelecs. Auch im Fahrradbereich wird die Elektromobilität damit immer ausgereifter.

Dabei greift der Anbieter auf die Erfahrung zurück, die er bereits als Teile-Lieferant von Autos sammeln konnte. Sichtbar stolz auf die eigene Firmengeschichte verweist der Hersteller darauf, seit 40-Jahren ABS-Systeme anzubieten und neben den Angeboten für den Pkw- und Lkw-Markt nicht zuletzt auch spezielle Bremssysteme für Motorräder im Sortiment zu haben.

Bis zu 25 Prozent aller Fahrradunfälle ließen sich laut der Bosch-eigenen Unfallforschung verhindern oder zumindest in ihren Auswirkungen verringern.

Ganz billig ist die Hightech-Lösung fürs Pedelec zwar nicht – der Preis eines E-Bikes steigt durch die Ausstattung mit ABS um etwa 500 Euro, was das komplette E-Bike schnell auf Preise von 3000 Euro und mehr bringt.

Doch wer sich an die Karriere von ABS im Automobilmarkt erinnert, weiß: Auch dort war diese Sicherheits-Ausstattung von Bosch zuerst in Mercedes S-Klasse (W 116) und BMW 7er (E23) zu finden, bevor sie ihren Siegeszug in die günstigeren Fahrzeugklassen antrat. Bei E-Bikes ist ähnliches zu erwarten.

Bosch konzentriert sich auf Vorderrad-ABS

Mehr Sicherheit bringt das ABS für E-Bikes auf jeden Fall. Wie beim ABS für vier und mehr Räder erhält das System bei einer Vollbremsung die Lenkbarkeit und Stabilität des Fahrrads. Droht das vordere Rad bei zu starkem Bremsen zu blockieren, regelt das System den optimalen Bremsdruck. Zudem entschärft das E-Bike-ABS von Bosch auch das Rutschen des Elektrofahrrads auf losem, nassem oder rutschigem Untergrund.

Dabei beschränkt sich die nun vorgestellte erste ABS-Generation für E-Bikes auf das Vorderrad. Bosch führt zur Begründung an, dass das Vorderrad für die Fahrstabilität eines Zweirads entscheidend sei.

Das Risiko, durch ein blockierendes Vorderrad zu stürzen, sei sieben Mal höher als die Wahrscheinlichkeit eines Fahrrad-Unfalls durch ein blockierendes Hinterrad. Zudem verzögert eine Vorderradbremse am Fahrrad deutlich besser als eine Hinterradbremse, weil auf das vordere Rad gerade beim Bremsen eine höhe Last einwirkt.

Das Bosch-ABS für E-Bikes basiert auf einer Hochleistungs-Bremsanlage des Fahradkomponenten-Hersteller Magura. Hochauflösende Radgeschwindigkeitssensoren überwachen die Geschwindigkeit am Vorderrad und am Hinterrad. Ein Blockieren des Vorderrads wird vom System rechtzeitig erkannt und durch Anpassung des Bremsdrucks verhindert.

Dennoch gehört zum Funktionsumfang des E-Bike-ABS auch eine intelligente Hinterrad-Abheberegelung.

Auch das Hinterrad wird ständig kontrolliert

Denn ein mögliches Abheben des hinteren Rads würde ja ebenfalls bedeuten, dass das Fahrrad zu einem Überschlag neigt oder zumindest erheblich an Fahrstabilität einbüßt. Erkennt der Hinterrand-Sensor einen sprunghaften Anstieg der Raddrehzahl, ist klar: das Rad dreht durch – was bedeutet: es ist vom Untergrund abgehoben.

Die Einführung eines solchen Systems kann die Sicherheit im Verkehr nachhaltig verbessern.

Claus Fleischer, Bosch eBike Systems

Auch hier wirkt eine gezielte Dosierung des Bremsdrucks am Vorderrad dem vom System bemerkten Effekt entgegen. Da das Hinterrad auf diese Weise schnell wieder über Bodenkontakt verfügt, bleibt das e-Bike lenkbar und stabil. Die Wahrscheinlichkeit eines Überschlags sinkt massiv.

Die Stromversorgung des Steuergeräts erfolgt bei E-Bikes aus dem bordeigenen Akku. Sorgen um die Reichweite brauchen sich E-Bike-Fahrer dabei nicht zu machen – der Stromverbrauch des ABS hat kaum merkbaren Einfluss auf die Reichweite, zumal die Regelfunktionen des Systems nur beim stärkerem Bremsen aktiv werden.

ABS-Hersteller mahnt zu besonnenem Fahren

Dass der Systemanbieter mit dem Thema Antiblockiersystem einige Erfahrung hat, merkt man allerdings auch noch an einem anderen Aspekt: So wie die Sicherheitsbremse am Anfang auch Autofahrer bisweilen zu riskanteren Manövern verleitete, redet der Anbieter auch E-Bikern ins Gewissen.

Auch mit der Antiblockier-Bremse mögen die Biker ihre Fahrweise immer den Umgebungsbedingungen, der Witterung und dem eigenen Fahrkönnen anpassen – auch mit dem E-Bike-ABS von Bosch.

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Zudem sollten E-Bike-Fahrer einige Regeln bei der Beladung ihres Pedelecs beachten und zum Beispiel vermeiden, dass ein Korb oder ein Kindersitz zu einer erhöhten Frontlast führt. Besser sind solche Teile auf dem Gepäckträger hinter dem Fahrer aufgehoben. Generell gelte es, Zuladungen zu vermeiden, die den Schwerpunkt des Bikes erhöhen.

Doch auch mit ABS am E-Bike sollte die Sicherheit beim Fahrradfahren immer an erster Stelle stehen. Um es mit dem Chefingenieur Scott des Raumschiffs Enterprise zu sagen: Die Gesetze der Physik kann man nun mal nicht ändern.

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