Elektromobilität

Hamburg: Autonomer Bus fährt ab Februar 2019 durch die Hafencity

von Paul Bandelin

Hamburg rüstet sich für den ITS-Weltkongress 2021: Autonome Busse sollen auf zwei Strecken in der Stadt fahren. Schon Anfang 2019 geht es los!

Ein Blick auf die Elbphilharmonie.
Eines der jüngsten Wahrzeichen Hamburgs: Die Elbphilharmonie in der Hafencity. Foto: Hamburg Marketing/Andreas Vallbracht

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie der Verkehr in Hamburg bereits 2019 autonom werden soll
  • Wie verschiedene autonome Konzepte die Stadt erobern wollen
  • Wie der Shuttlebus künftig "on demand" Passagiere einlädt

Hamburg macht mobil! Der Senat will Hamburg zur Stadt mit den modernsten Verkehrsmitteln weltweit machen: Dafür gibt es in naher Zukunft reihenweise Veränderungen. Neben autonomen Autos sollen ein Shuttle-Service elektrischer Kleinbusse sowie 30 weitere futuristische Verkehrsprojekte die Stadt erobern.

Selbstfahrende Autos im Stadtverkehr gibt es bislang noch in keiner größeren deutschen Metropole. Schafft es Hamburg, diese Technologie zu etablieren, würde die Hansestadt eine bundesweite Vorreiterrolle einnehmen. Anfang 2019 sollen bereits die ersten Teststrecken den Betrieb aufnehmen – ein weiterer Schritt in Richtung elektrische und autonome Mobilität.

Wir wollen die Mobilität in unserer Stadt effizient und leise, komfortabel, umweltfreundlich und sicher gestalten. Eine Mobilität, die niemanden ausbremst, sondern von der alle Hamburgerinnen und Hamburger etwas haben.

Frank Horch, Verkehrssenator

Hochbahn Heat: Erste Fahrten ab Februar 2019 geplant

Die Hamburger Hochbahn AG ist für einen großen Teil des öffentlichen Nahverkehrs in der Hansestadt zuständig. Sie betreibt die U-Bahnen sowie zahlreiche Buslinien. Auf einer völlig neuen Strecke soll ab dem kommenden Jahren ein autonomer Kleinbus fahren. Das Projekt hört auf den Namen Heat, was für “Hamburg Electric Autonomous Transportation” steht.

Zum Start im Februar 2019 verkehrt der Bus lediglich in der Hafencity – genauer auf der Strecke Am Dalmannkai, Am Sandtorpark sowie auf Teilen der Straßen Großer Grasbrook und Am Sandtorkai. Das sind zusammen nur rund 700 Meter und drei Ampeln. Außer einem Fahrzeugbegleiter sind die Busse aber noch leer. Erst zu einem späteren Zeitpunkt dürfen Fahrgäste nach vorheriger Unterweisung mitfahren.

Die volle Strecke ist wohl erst ab 2021 eröffnet. Sie führt dann auf 3,6 Kilometern durch die gesamte Hafencity. Neun Haltestellen sind dafür geplant, an denen jeder interessierte Fahrgast zusteigen darf. Die Busse müssen 12 Ampeln überwinden – während der Verkehr um sie herum normal über die Straßen rollt. Zum Aufladen fährt der Bus an eine Ladesäule von Vattenfall am angrenzenden Baakenhöft.

TAVF-HH: Teststrecke auf neun Kilometern

Die Hamburg Verkehrsanlagen GmbH (HHVA) steckt im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) an anderer Stelle ein Testfeld ab. Vom Messegelände über die Landungsbrücken und die Elbphilharmonie führt der Rundkurs bis hin zum Dammtor und weiter zur Messe. Die selbstfahrenden Autos sollen dann ein Teil des fließenden Verkehrs sein. Um Missverständnissen vorzubeugen und den Bürgern die anfängliche Angst zu nehmen, wird jedes der Autos zu Beginn noch von einem Chauffeur begleitet, der im Ernstfall eingreifen kann – ähnlich wie in Berlin.

Auf dem Rundkurs müssen dafür insgesamt 37 Ampeln mittels intelligenter Kommunikationstechnik modifiziert werden. Ein jedes der Fahrzeuge kommt auf ein Gewicht von vier Tonnen und misst fünf Meter in der Länge sowie zwei Meter in der Breite. Sechzehn Fahrgäste sollen sie maximal befördern können – im Bedarfsfall auch einen Rollstuhl.

Bis Ende 2020 sollen die autonomen Autos dann die gesamten neun Kilometer in einem fließenden Takt befahren – pünktlich zum 2021 in Hamburg stattfindenden World Congress on Intelligent Transport Systems – der größten Transport-Messe weltweit.

VW-Crafter erobert Hamburgs Verkehr

Doch damit nicht genug der modernen Infrastruktur. Die VW-Tochter Moia bringt im ersten Quartal 2019 ihren Shuttle-Service in die Hansestadt. Anfangs, so der Plan, soll eine zweistellige Anzahl an Elektro-Kleinbussen Fahrgäste von A nach B bringen. Im Laufe der folgenden Monate soll deren Anzahl dann sukzessive steigen. Erst auf 200 und Ende 2020 auf 500 der elektrisch betriebenen Fahrzeuge.

Im April 2018 genehmigte der Senat das Projekt, für das Moia eigens die vollelektrischen Kleinbusse des Modells Crafter entwickelte. Der Plan sieht vor, dass Bürger die Busse per App rufen können und diese dann in fußläufiger Distanz halten. Haben mehrere Nutzer das gleiche Ziel, führt die App sie zusammen.

Findet das Projekt den erwarteten Anklang in der Bevölkerung, lässt sich die Flotte weiter aufstocken. Nicht zuletzt wegen der erschwinglichen Preise: Der Elektrokleinbus soll zwar teurer als die öffentlichen Verkehrsmittel sein, aber immer noch günstiger als ein Taxi. Im finalen Schritt ist sogar eine Autonomie der Fahrzeuge geplant.

Der Kleinbus Moia; im Vordergrund sind Menschen zu sehen.
Der Elektro-Kleinbus der VW-Tochter Moia soll in Zukunft autonom fahren. Foto: Moia

Bus-Shuttle "on demand": Das Hamburg der Zukunft

Bis zum World Congress 2021 will die Hansestadt noch ein paar weitere Vorhaben für digitale Logistik realisieren – 30 befinden sich derzeit noch in der Pipeline der Verkehrsplaner. Damit Hamburg nicht alleine die hohen Kosten für die infrastrukturellen Umbauten trägt, subventioniert der Bund drei der Projekte mit insgesamt 11,5 Millionen Euro.

Öffentliche Verkehrsmittel, die der Fahrgast "on demand", also wenn er sie braucht, rufen kann, befinden sich dabei ganz oben auf der Agenda. Bereits seit Juli 2018 fahren im Westen der Stadt, genauer gesagt in Lurup und Osdorf, Shuttle von der Bahn-Tochter ioki nach Bedarf – mit dem ÖPNV-Ticket. Einmal gerufen bringt er seine Gäste zur nächsten Schnellbahnhaltestelle. Hamburg ist also gewappnet für die den Verkehr der Zukunft.

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