Elektromobilität

Aachen: Erfinder-Hochburg für Elektroautos

von
Carola Franzke

Erfinder-Schmiede der Automobilindustrie, Alma mater bekannter Manager und immer wieder Impulsgeber für Elektromobilität: Die Aachener Hochschulen.

Blick über den Stadtkern von Aachen.
Im ruhigen und historisch interessanten Aachen steckt viel Ideenreichtum – auch was Mobilitätskonzepte der Zukunft angeht. Foto: Shutterstock/360degreeAerial

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Persönlichkeiten der Automobilindustrie aus Aachen kommen
  • Welche Elektrofahrzeuge aus der Stadt kommen und was die Universitäten damit zu tun haben
  • Warum Elektromobilität zunehmend eine Rolle im Aachener Verkehrskonzept spielt

Den Hochschulen in Aachen eilt ein Ruf wie Donnerhall voraus: Seit Jahrzehnten gelten sowohl die Technische Universität (RWTH) wie auch die Fachhochschule als beste Adressen für Ingenieure und eine erstklassige technische Ausbildung.

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Insbesondere die deutsche Automobilindustrie rekrutiert ihren Nachwuchs gern aus der Stadt nahe der deutsch-niederländisch-belgischen Grenze.

Aachen: Erfinder-Schmiede der Automobilindustrie

Ein Blick in die Vita von Vorständen und Managern bestätigt das: Auch beispielsweise Mario Theissen (ehemals BMW-Motorsportchef), Ex-Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg und der ehemalige Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking haben einen Teil ihrer Ausbildung in Aachen absolviert.

In der nordrhein-westfälischen Stadt werden aber nicht nur die kommenden Entscheider der Auto-Industrie ausgebildet, sondern vor allem der Erfindergeist der Studenten gefördert. Aus Aachen kommen derzeit die vielversprechendsten Projekte in Sachen Elektromobilität und Autonomie. Es gibt neben außergewöhnlichen Studienarbeiten und Prototypen auch bereits drei marktreife Elektroautos, die aus den örtlichen Technikschmieden stammen.

Streetscooter elektrifiziert den Lieferverkehr

Zu den prominentesten Elektromobilen aus Aachen gehört wohl das Ur-Modell des Streetscooters von der Deutschen Post.

Streetscooter der Post an einer Verteilstation.
Mit dem Streetscooter plant die Deutsche Post ihren Fuhrpark stufenweise zu elektrifizieren. Foto: StreetScooter GmbH

DHL und die Deutschen Post stellten den elektrisch betriebenen Streetscooter schon 2013 vor und setzen ihn deutschlandweit bereits in vielen Städten ein, um Pakete auszuliefern. Es gab Anlaufschwierigkeiten in Sachen Reichweite und Probleme bei niedrigen Temperaturen, doch das war offenbar kein Grund, sich aus dem Projekt zurückzuziehen: Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 zeigte die Deutsche Post, dass sie auch weiterhin verstärkt auf Elektromobile setzen will.

Start-up e.Go setzt auf Minimalismus

Der elektrische Kleinwagen e.Go life war auf der CeBit 2017 das erste Mal öffentlich zu sehen. Die Produktion des kleinen Stadtflitzers erfolgt in einer Ausgründung aus einem Universitätsprojekt: Günther Schuh, Professor für Produktionstechnik an der RWTH, ist Mitgründer und Vorstandschef der e.Go Mobile AG und war schon in das Streetscooter-Projekt involviert.

Die Auslieferung des Kleinstwagens e.Go soll noch 2019 erfolgen, zu einem Preis von unter 20.000 Euro für die stärkste Variante. Ein Konzept, das für den Individualverkehr in Städten gemacht ist. Auch die Stadt Aachen unterstützt e.Go: Die Polizei will einige Fahrzeuge für den Verwaltungsbereich testen.

e.Go life in der Produktionshalle Aachen.
Der e.Go life soll die Elektromobilität bezahlbar machen. Dafür verzichtet das Auto auf vieles, was in der Stadt allerdings kaum fehlen dürfte. Foto: e.GO

Günther Schuh, Professor an der RWTH und Vorstandschef der e.Go Mobile AG im Interview mit auto motor und sport: „Wir wollten ein Stadtauto bauen. (…) Und wir haben alles weggelassen, was man nicht braucht.“

Sven: Elektroauto für Carsharing-Dienste

Der neueste Coup aus der Erfinder-Hochburg heißt „Sven“: Shared Vehicle Electric Native, ein dreisitziges Elektroauto, das vor allem für Carsharing-Flotten attraktiv sein soll. Ein Prototyp von Sven feierte seine Premiere auf dem Aachener Car-Symposium Anfang Oktober 2018.

Das Unternehmen Share2Drive GmbH aus Aachen will in absehbarer Zukunft 10.000 Sven-Modelle im Jahr vom Band laufen lassen, wie der Geschäftsführer Markus Volm erklärt. Abnehmer gibt es bereits, etwa das Versorgungsunternehmen NEW aus Mönchengladbach.

Frank Kindervatter, NEW-Vorstand im Interview mit der WELT: „Wir wollen von einem reinen Versorger zum Energie- und Mobilitätsdienstleister werden.“

Weitere Elektroautos könnten in den nächsten Jahren dazukommen, wie etwa der SpeedE, an dem Studenten und Professoren seit Mitte 2011 basteln. Der kleine E-Flitzer kann fast auf der Stelle wenden und wird nicht mit einem Lenkrad, sondern mit Joystick-artigen Elementen neben dem Fahrersitz gelenkt.

Elektromobilität im Aachener Verkehrskonzept

Die vielen Innovationen in Sachen Elektromobilität gehen an der Aachener Stadtverwaltung und deren Entscheidungsträgern nicht spurlos vorbei: Der Einfluss auf das Verkehrskonzept der Stadt ist nicht zu leugnen.

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So haben die ehemaligen Studenten Dennis Brinckmann und Tobias Meurer die Stadtväter mit ihrer Bachelorarbeit überzeugen können. Daraus hervorgegangen ist Velocity, eine Art Stadtrad-Programm mit Pedelecs, also Fahrräder mit Elektro-Unterstützung. Denn Aachen ist hügelig, und wer als Student mit dem Fahrrad unterwegs sein will, braucht eine gute Kondition – oder eben ein Pedelec.

Das Velocity-Programm ist 2016 mit der ersten Ladesäule und der Unterstützung der Stadt gestartet. Ziel sind 100 Ladestationen und 1000 Pedelecs, die so das Nahverkehrskonzept im Stadtgebiet bereichern und ergänzen sollen.

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