Technik

5G-Mobilfunknetz: Industrieverband fordert bundesweite Abdeckung

von
Carola Franzke

5G für alle: Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, fordern deutsche Industrieverbände einen flächendeckenden Netzausbau des schnellen Internets.

Eine Autobahn von oben. Aktuell fahren dort nur bemannte Fahrzeuge. Sollen dort auch zukünftig autonome verkehren, braucht es ein besseres Mobilfunknetz.
Entlang der Autobahnen kommt es immer wieder zu Verbindungsabbrüchen aufgrund von Funklöchern – für autonome Fahrzeuge verheerend. Foto: Shutterstock / Philip Lange

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum der VDA und andere Industrieverbände eine verbesserte digitale Infrastruktur fordern
  • Wieso Fortschritt und Verkehrssicherheit von der Digitalisierung der Autobahnen und ländlichen Regionen abhängen
  • Was der Netzausbau für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Privatpersonen bedeuten könnte

Voraussichtlich Anfang 2019 will die Bundesnetzagentur die Mobilfunkfrequenzen im neuen 5G-Standard versteigern: Interessenvertreter der großen deutschen Industrieverbände forderten in einer gemeinsamen Presseerklärung, dass die Bedürfnisse von Industrie und Mittelstand bei der Vergabe berücksichtigt werden müssen.

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Dahinter steht der Wunsch, dass der Ausbau der digitalen Infrastruktur auch im Sinne der Zukunftssicherung der Industrie voranschreiten kann.

Die Industrie ist auf eine international wettbewerbsfähige digitale Infrastruktur angewiesen.

Aus der verbandsübergreifenden Presseerklärung, 31. August 2018

Die gemeinsame Erklärung kommt von VCI, VDA, VDMA und ZVEI. Die Verbände vertreten die chemische Industrie (VCI), die Automobilindustrie (VDA), den Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sowie die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) – und damit wichtige Teile der bundesdeutschen Wirtschaftskraft.

Ein Funkmast steht auf einem Feld, im Vordergrund Agrarmaschinen.
Vor allem auf dem Land ist die Netzabdeckung löchrig. Funkmasten wie diese im Hintergrund stehen längst nicht überall. Foto: picture alliance/Arne Immanuel B

Mobilfunk-Netzausbau für Autobahnen

Aus Sicht des VDA, der die Automobilindustrie vertritt, steht als zentrale Notwendigkeit ein flächendeckender Netzausbau auf dem Land im Vordergrund.

Für vollautomatisiertes Fahren brauchen wir auch eine hundertprozentige Abdeckung in der Fläche.

Bernhard Mattes, VDA-Präsident, gegenüber dem Handelsblatt

Der Verbandspräsident Mattes sagte Anfang September in einem Interview mit dem Handelsblatt, dass eine schlechte Mobilfunkabdeckung im ländlichen Bereich dazu führe, dass sich technische Entwicklungen wie etwa das "Platooning" verzögern könnten. Platooning bedeutet, dass eine Gruppe von Lkw autonom einem Führungsfahrzeug hinterher fährt – wofür eine stabile und schnelle Netzverbindung nötig ist.

Seine Erwartungen an den 4G-Nachfolger formulierte VDA-Präsident Mattes im Gespräch mit dem Handelsblatt: "In den Städten ist das Problem nicht so groß – hier gibt es kaum Mobilfunklöcher. Das Problem besteht eher auf dem Land. Die Autobahnen und großen Städte müssen komplett digitalisiert sein."

Vernetzung der Industrie schreitet voran

Grundsätzlich schreitet die Vernetzung der Industrie weiter voran. Siemens etwa arbeitet an Mindsphere, einem IoT-Standard ("Internet of Things") für die Industrie: Schnelle Internetverbindungen, bevorzugt kabellos, sind auch hier wichtig. Immer mehr Vernetzung bedeutet auch immer mehr Daten. Der Vorteil durch die Mobilfunkanbindung: Das aufwendige und zeitintensive Verlegen von Kabeln entfällt.

Dazu die Verbände in ihrer gemeinsamen Presseerklärung: "Nur durch werden Industrie 4.0, die Vernetzung zwischen den Fabriken und innovative Anwendungen wie zum Beispiel vernetztes und automatisiertes Fahren zu einer Erfolgsgeschichte."

Und weiter: "Überdies erhöht sich dadurch die Verkehrssicherheit und der Straßenverkehr wird flüssiger. Dafür benötigen große Unternehmen und insbesondere die mittelständische Industrie ein modernes 5G-Mobilfunknetz, das rasch aufgebaut werden muss."

Netzausbau käme nicht nur der Industrie zugute

Die Industrie fordert in ihrer Erklärung von der Bundesnetzagentur, die Vergabe der Frequenzen an strenge Versorgungsauflagen zu knüpfen. In der Vergangenheit bezog sich das vor allem auf die Versorgung von Haushalten, Bahnstrecken und Hauptverkehrsadern wie Autobahnen und Bundesstraßen.

Das reicht aber in Zukunft nicht mehr aus, wenn man an mittelständische Industrieunternehmen denkt, die nicht immer in Ballungszentren angesiedelt sind. Verschärft wird die Lage dadurch, dass 2025 die Nutzungsrechte für 800-Megahertz-Frequenzen auslaufen, das sogenannte Band 20: Dieser Standard wird in Deutschland bislang vor allem auf dem Land genutzt.

Die Industrievertreter befürchten, dass die digitale Zukunft vor allem kleine und mittlere Unternehmen abhängen könnte, wenn es keine entsprechenden Auflagen gibt, die das verhindern. Von dem Appell profitieren übrigens nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatleute, die sich bislang über langsames Internet auf dem Land ärgern.

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Zum Hintergrund: Der derzeitige Mobilfunkstandard 4G reicht aufgrund der geringen Datenrate und zu hoher Latenzzeiten nicht aus, um etwa vollautonomes Fahren zu gewährleisten oder die Kommunikation im Internet of Things auszubauen.

Darüber hinaus erlaubt 5G wesentlich schnelleres Hoch- und Herunterladen auch von größeren Datenmengen aus dem Internet (bis zu 20 Gigabyte pro Sekunde) – ein Vorteil, von dem alle Smartphone-Nutzer über kurz oder lang profitieren dürften. Vorausgesetzt natürlich, 5G ist in absehbarer Zukunft tatsächlich flächendeckend verfügbar und das eigene Smartphone unterstützt den neuen Frequenzbereich.

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