Technik

3D-Drucker: Jetzt können sie sogar Schildkrötenpanzer!

von Sabrina Lieb

Die Zukunft des 3D-Drucks: eine Schildkröte erhält einen neuen Panzer, der weltweit größte Druckroboter ist in der Mache und Experten sprechen von einem nahenden Durchbruch.

Nahaufnahme eines Schildkrötenpanzers
Der Panzer einer Schildkröte besteht normalerweise aus Knochen. Foto: Shutterstock / louisnina

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie eine Schildkröte zu einem neuen Panzer kam
  • Warum 3D-Druck jetzt wirklich vor dem Durchbruch steht
  • Was 3D-Drucker alles fertigen können

Schildkrötenpanzer für Freddy

Das Markanteste an einer Schildkröte – das ist ihr Panzer. Er besteht aus einem Rückenpanzer, dem sogenannten Carapax, und einem Brustpanzer – auch Plastron genannt. Beide sind durch eine Brücke miteinander verbunden. Normalerweise besteht der Schildkrötenpanzer in der untersten Schicht aus massiven Knochen, die sich aus der Wirbelsäule, den Rippen und dem Becken gebildet haben und der wie bei einem normalen Skelett mitwächst. Bei Freddy hingegen ist das anders: Der Panzer der brasilianischen Schildkröte kommt aus dem 3D-Drucker.

Als Freddy vor einigen Jahren während eines Buschfeuers in Brasilien schwer verletzt hatte, sah es nicht gut für ihn aus. Nahezu sein kompletter Panzer war verbrannt, Freddy sollte eingeschläfert und so von seinen Qualen erlöst werden. Doch ein Helfertrupp aus Ärzten, einem Zahnarzt und einem 3D-Designer retteten Freddy mit dem ersten Schildkrötenpanzer aus dem 3D-Drucker.

Freddy war die erste Schildkröte der Welt, die einen komplett nachgebauten Panzer erhielt.

Cicero Moraes, The Animal Avengers, gegenüber dem Portal boredpanda.com

Dabei konstruierte die Gruppe namens „The Animal Avengers“ eine künstliche Hülle anhand mehrerer Fotoaufnahmen, wandelte das Konzept in einen realen Druck um und bemalte den Panzer aus dem 3D-Drucker schließlich, so dass er dem natürlichen Schildkrötenpanzer zum Verwechseln ähnlich sieht.

Hintergrund: 3D-Drucker vor dem Durchbruch

Mittlerweile wird 3D-Druck in verschiedenen Branchen eingesetzt, darunter in der Architektur, der industriellen Fertigung sowie im Designbereich. Noch ist die Technik teuer und aufwendig, jedoch sprechen Experten von einem baldigen Durchbruch des 3D-Drucks.

Laut einer Studie der PwC Strategy soll sich das Marktvolumen der Technologie bis 2030 auf 22,5 Milliarden Euro verzehnfachen. Je nach Branche werden Steigerungsraten zwischen 13 und 23 Prozent erwartet.

Die Vorteile des 3D-Drucks sind:

  • die mögliche Individualisierung von Produkten
  • die Verwendung von verschiedenen Materialien in einem Druckgang
  • das Erstellen hochwertiger Prototypen schnell und ohne Werkzeug ("Rapid Prototyping")
  • die Umweltfreundlichkeit: 3D-Druck verbraucht weniger Materialien, und die Vor-Ort-Produktion verringert die nötigen Transportwege

3D-Druck: Vom Gaspedal bis zum Turnschuh

Beim 3D-Druck schmelzen Laser Metall- oder Kunststoffpulver und formen daraus in neuen Konstruktionen unterschiedlichste Produkte. Vom Gaspedal für Formel-1-Boliden, über Laufschuhe bis hin zu Bohrköpfen für die Ölplattformen auf rauer See – rund 1,9 Milliarden Euro betrug der weltweite Umsatz im Jahr 2015.

Zwar nutzen derzeit erst 18 Prozent der Firmen den 3D-Druck, in den nächsten fünf Jahren wird allerdings ein Anstieg auf ein Drittel der produzierenden Unternehmen erwartet.

Dabei eröffnet das Verfahren nicht nur neue Möglichkeiten in der Produktion sondern auch im Service, beispielsweise wenn sich Ersatzteile künftig vor Ort herstellen lassen und nicht erst vom Zentrallager geschickt werden müssen.

Kraken: Weltweit größter 3D-Drucker

Potential für den 3D-Druck sehen die Experten auch in der Autoindustrie. Zwar liegt der Schwerpunkt des Druckverfahrens bislang noch in der Entwicklung von Prototypen, künftig sollen Hersteller jedoch auch einzelnen Bauteile selbst ausdrucken und damit Zeit und Kosten gegenüber der bisherigen Lieferkette einsparen können.

Dabei könnten die Autohersteller 3D-Drucker in ihren Vertragswerkstätten aufbauen, dort Originalersatzteile drucken lassen und somit ihre Margen im Service- und Reparaturbereich aufgrund reduzierter Logistik- und Lagerkosten deutlich erhöhen. Allein in Deutschland soll das Marktvolumen von derzeit 33 auf 230 Millionen Euro steigen.

Theoretisch lassen sich auch persönliche, individuelle Autos mithilfe des 3D-Drucks herstellen – sozusagen DIY-Autos ("Do it yourself").

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Eine jüngste Entwicklung trägt den Namen „Kraken“: Der weltweit größte 3D-Drucker soll mit seinem rund 20 Meter langen Roboterarm selbst sehr große Objekte mit höchster Genauigkeit drucken und darüber hinaus auch fräsen, polieren und bohren können. An dem EU-mitfinanziertem Projekt arbeiten derzeit Experten aus acht europäischen Ländern.

Der 3D-Druck kommt damit buchstäblich in ganz neue Dimensionen:Schon heute entstehen teilweise ganze Häuser im 3D-Drucker.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Technik immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.