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Elektromobilität

1 Million Elektro-Pkw bis 2020: Studie hält Ziel für utopisch

von Paul Bandelin

Trotz Umweltprämie scheinen die Ziele für die E-Mobilität in Deutschland unerreichbar – das belegt eine neue Studie. Die Regierung hat nun ein neues Ziel.

Ein Parkplatz aus der Vogelperspektive auf dem hunderte Autos stehen.
Ein ambitioniertes Ziel der BRD: 1 Million Elektroautos bis 2020. Foto: CC0: Unsplash/Ryan Searle

Das erfahren Sie gleich:

  • Was die Bundesregierung über E-Mobilität in Deutschland sagt
  • Mit welchen Maßnahmen eine Million Elektro-Pkw auf die Straße kommen sollen
  • Was die Kaufprämie für Elektroautos bisher bewirkt hat

Das Ziel war ambitioniert: Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein, gab die Bundesregierung 2008 aus. Zehn Jahre später, im Januar 2018, waren laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) jedoch erst 98.280 zugelassen – plus 209 Elektrobusse.

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Obwohl diese Zahlen deutlich geringer sind als gewünscht, hielt die Regierung bis Mitte September an dem gesteckten Ziel für die Elektromobilität fest. Das bekräftigte sie auch im April 2018 noch auf eine Nachfrage der Grünen.

Eine Millionen Elektro-Pkw: frühestens 2022

Hieß es vor einem Jahr noch, das anvisierte Minimum von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen sei bis 2020 nicht realistisch, äußerte sich Peter Altmaier (CDU) bis zuletzt weiterhin zuversichtlich.

"Die Bundesregierung muss ihre Anstrengungen fortsetzen und gegebenenfalls anpassen, um erfolgreich zu sein", so der Bundesminister für Wirtschaft und Energie.

Inzwischen ist klar: 2020 ist das Ziel nicht zu erreichen. Dies bestätigte die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) in ihrem Fortschrittsbericht 2018, den sie am 19. September in Berlin veröffentlichte.

Darin heißt es unter anderem, das ausgehend von der derzeitigen Marktdynamik voraussichtlich erst 2022 die Marke von einer Millionen E-Autos in Deutschland überschritten werde. Zu einer ähnlichen Prognose waren unabhängig davon auch die Unternehmensberater von Horváth & Partners gekommen (siehe unten).

So wie es im Augenblick aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, bereits Mitte 2017 geäußert

"Das Eine-Million-Ziel bleibt eine gute politische Richtgröße. Wichtiger als das genaue Datum ist jedoch, dass wir die Nutzerinnen und Nutzer durch ein stimmiges Gesamtsystem aus attraktiven Fahrzeugangeboten, bedarfsgerechter Ladeinfrastruktur, klimafreundlichem Energiesystem, nutzerorientierten Dienstleistungen und den passenden rechtlichen Rahmenbedingungen überzeugen. Dann setzt sich elektrische Mobilität im großen Maßstab durch", sagte Henning Kagermann, Vorsitzender der NPE, anlässlich der Übergabe des Berichts an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Mit Blick auf die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland wagte die NPE ebenfalls einen Ausblick. Demnach werden sich bis 2020 "allein 100 Elektrofahrzeugmodelle von deutschen Herstellern auf dem Markt befinden. In Deutschland werden die kumulierten Neuzulassungen nach aktuellen Hochrechnungen bis 2025 auf 2 bis 3 Millionen Fahrzeuge ansteigen. Dies entspricht einem Marktanteil zwischen 4 und 6,5 Prozent, 2030 wird er bei 10 bis 15 Prozent liegen."

Um diesen Marktanteil durch das von Henning Kagermann angesprochene "stimmige Gesamtsystem"zu erreichen, nennt die Bundesregierung neben der Umweltprämie (siehe unten) folgende Maßnahmen:

  • bessere rechtliche Möglichkeiten für Mieter und Wohnungseigentümer beim Einbau von Ladesäulen
  • niedrigere pauschale Dienstwagenbesteuerung für Elektroautos
  • Sonderabschreibung für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge
  • höhere Kaufprämie für Elektrotaxis und leichte E-Nutzfahrzeuge

In den vergangenen zwei Jahren hat die Regierung die Entwicklung alternativer Antriebe mit mehr als zwei Milliarden Euro gefördert, auch um die technologische Marktführerschaft in diesem wichtigen Wirtschaftszweig zu bewahren. Darüber hinaus plant Deutschland inzwischen auch den Bau von mindestens einer Gigafactory für die Batterieherstellung.

Zu optimistisch? Studie rechnet erst 2022 mit einer Millionen E-Autos

Die Hochrechnungen der Unternehmensberater von Horváth & Partners zeichnen ein ähnliches Bild. In ihrer jährlich erscheinenden Studie "Horváth & Partners Fakten-Check Mobilität 3.0" errechneten sie, dass frühestens ab 2022, also zwei Jahre später als von der Bundesregierung erhofft, mit einer Millionen zugelassener Elektrofahrzeuge in Deutschland zu rechnen sei.

Trotz des noch immer eingeschränkten Angebots an attraktiven Elektromobilen verzeichnen wir weiterhin hohe Wachstumsraten.

Dr. Thomas Becker, Automobilexperte bei Horváth & Partners

Grund dafür sei die Zuwachsrate bei den Neuzulassungen im vergangenen Jahr. 2017 verzeichneten die Zulassungen ein Plus von fast 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Damit habe die Zuwachsrate, so Horváth & Partners weiter, erstmals seit 2012 wieder über der durchschnittlichen Wachstumsrate der vorangegangenen drei Jahre gelegen. Mit dieser Wachstumsgeschwindigkeit als Maßstab, sei das Millionenziel 2022 erreicht.

Dennoch zeigen sich die Berater in ihrer aktualisierten Studie zuversichtlich – zumindest in Teilen. Demnach sei bis Ende 2018 immerhin ein Wert von über 200.000 E-Fahrzeugen zu erwarten. Zum Vergleich: Ende 2017 waren insgesamt knapp 123.000 Elektromobile zugelassen.

Zu der Einschätzung gelangt Horváth & Partners durch die Betrachtung des aktuellen und in der nahem Zukunft liegenden Marktes. Die Einführung weiterer Plug-In-Hybride ist ein Hinweis.

Die Grafik von Horváth & Partners veranschaulicht, wann mit einer Millionen E-Autos in Deutschland zu rechnen ist.
Die Studie von Horváth & Partners geht davon aus, dass das Ziel von einer Millionen E-Autos erst 2022 erreicht ist. Foto: Horváth AG

Außerdem spricht die Verbesserungen bereits bestehender E-Autos, zum Beispiel in Form von größeren Batterien und neuer Akku-Technologie und einem damit einhergehenden Zugewinn an Reichweite, für bessere Zahlen bei E-Auto-Zulassungen. Denn das waren Kritikpunkte, die dem Kauf eines reinen E-Autos bislang häufig im Wege stehen.

"Dass wir trotz des noch immer eingeschränkten Angebots an attraktiven Elektro-Pkw weiterhin hohe Wachstumsraten verzeichnen können, ist ein ermutigendes Zeichen für eine höhere Dynamik in den nächsten Jahren", meint Dr. Thomas Becker, Automobilexperte bei Horváth & Partners und Co-Autor der Studie.

280 Millionen Elektro-Pkw bis 2040

Einen noch weiteren Blick in die Zukunft wagt die schottische Forschungs- und Beratungsgruppe Wood MacKenzie. In einer jüngst veröffentlichten Studie gehen die Analysten von weltweit 280 Millionen Elektroautos bis 2040 aus. Aus der prognostizierten Marktanalyse geht hervor, dass China allein fast die Hälfte davon ausmachen könnte.

Bis zu 117 Millionen E-Autos sollen demnach in der 22 Jahre entfernten Zukunft durch China fahren. Europa kommt der Hochrechnung zufolge auf 79 Millionen E-Autos, die USA folgen auf Platz drei mit 71 Millionen. Die verbleibenden 13 Millionen sollen sich, so die Analysten, auf den Rest der Welt verteilen.

Neuzulassungen von Elektro-Pkw

Dennoch darf sich auch Peter Altmaier weiterhin vorsichtig optimistisch zeigen. So ist die Zahl der monatlichen Neuzulassungen weiter steigend. Allein im ersten Halbjahr 2018 lag die Anzahl von Neuzulassungen reiner Elektroautos laut KBA bei 17.234. Im gesamten Jahr davor sind insgesamt 25.056 Elektroautos zugelassen worden – also lediglich knapp 8000 mehr im gesamten Jahr.

Auch bei den Hybriden entwickelt sich die Tendenz positiv: 2017 waren es 84.675 Neuzulassungen, 2018 sind es bereits in den ersten sechs Monaten 60.904 gewesen.

Kaufprämie für das Elektroauto als Ansporn

Die Bundesregierung gibt daher zusätzliche Anreize, um die Zulassungszahlen der umweltfreundlicheren Elektroautos weiter nach oben zu treiben und die Marke von einer Million Zulassungen bis 2020 zu schaffen.

Beispielsweise beträgt die Förderung beim Kauf eines Elektroautos 4000 Euro und bei einem Hybridfahrzeug immerhin noch 3000 Euro. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vergibt die Fördermittel allerdings nur so lange, bis das Budget von 600 Millionen Euro aufgebraucht ist.

Zum 31. August 2018 sind insgesamt 75.338 Anträge auf die Förderung von Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Brennstoffzellenfahrzeugen eingegangen.

Weitere Vorteile für Elektroautos sind die Kfz-Steuerbefreiung für Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 50 Gramm pro Kilometer: Sie fahren zehn Jahre steuerfrei. Neben Sonderparkflächen und Lockerungen von Zufahrtsverboten in Innenstädten können Elektroautos in manchen Städten auch die Busspur benutzen.

Die Bundesregierung geht mit gutem Beispiel voran: Der eigene Fuhrpark wird sukzessive auf Elektrofahrzeuge umgestellt. Jedes fünfte Neufahrzeug soll künftig elektrisch betrieben sein.

Wer jetzt über den Kauf eines Elektroautos nachdenkt, der findet bei aio eine umfangreiche Beratung.

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